Singapore Post
Neuanfang mit Bier und Kickertisch

Ein Österreicher baut Singapurs 200 Jahre alte Post zum Internet-Start-up um. Unter anderem verkauft der Konzern Unterwäsche im Webshop. Die radikalen Ideen von Firmenchef Wolfgang Baier zeigen bereits erste Erfolge.
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SingapurWolfgang Baiers neue Strategie für die Singapurer Post beschert dem Unternehmen eine ungewöhnliche Mitarbeiterin: Ein russisches Fotomodel kommt seit kurzem an den Wochenenden in die Büroräume des südostasiatischen Logistikkonzerns und posiert mit Dessous des Schweizer Herstellers Triumph für die Kamera. Unter der Woche bearbeitet Fotograf Dan dann die Bilder für den lokalen Online-Shop der Unterwäschemarke. Normalerweise lichtet er vorwiegend Sportschuhe ab. „Die Arbeit mit den Models ist da eine angenehme Abwechslung.“

Zu verdanken hat er sie seinem Chef aus Österreich. Vor vier Jahren übernahm Baier, ein ehemaliger McKinsey-Berater, die Führung der Singapore Post und verordnete dem Unternehmen einen Kurswechsel, den er selbst als radikal bezeichnet. Weil das klassische Briefgeschäft rapide schrumpft, möchte er das Unternehmen zum führenden E-Commerce-Dienstleister der Region umformen.

„Anfangs wurden wir dafür ausgelacht“, sagt Baier. Dass ein ehemaliger Staatskonzern, dessen Wurzeln fast 200 Jahre bis zur britischen Kolonialzeit zurückreichen, sich als Internetfirma neu erfindet, hätten Branchenkollegen als wenig aussichtsreich erachtet. „Nach den ersten Erfolgen, sieht das inzwischen anders aus.“

Baiers Geschäftsidee ist eine Rundumversorgung für westliche Unternehmen, die den ebenso großen wie schwierigen Markt Südostasiens über das Internet erschließen wollen. SingPost liefert für sie nicht nur die Pakete aus, sondern programmiert und designt die Webseite, erstellt lokale Varianten für die Märkte von Thailand über Malaysia bis nach Indonesien, übernimmt das Online-Marketing und hält die Produkte in seinen zwei Dutzend regionalen Warenlagern vorrätig. Auf Wunsch sitzen die Mitarbeiter von SingPost wie im Fall von Triumph sogar an der Kundenhotline und beantworten Fragen über die Produkte.

„Wir wollen vom Post- zum E-Commerce-Unternehmen werden“, sagt Baier, der vor seinem Antritt als SingPost-Chef rund zehn Jahre lang als Berater für asiatische Logistiker arbeitete. „Ich glaube nicht, dass es viele andere gibt, die das so fundamental angehen.“

Sein Besprechungszimmer liegt einen Stock über dem langjährigen Herz des Unternehmens, einer Briefsortiermaschine, die von Jahr zu Jahr weniger zu tun hat. „Wir sitzen auf einer brennenden Plattform“, sagt der 41-Jährige, der mit der Branche aufgewachsen ist: Sein Großvater, seine Mutter und mehrere Tanten arbeiteten bei der österreichischen Post. Nach seinem Umzug nach Singapur vor elf Jahren schickten ihm die Verwandten zumindest gelegentlich noch ein Kuvert. Doch auch bei einem Post-Chef läuft der private Schriftverkehr mittlerweile fast ausschließlich elektronisch.

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