Social Dining mit Eatwith: Das Airbnb der Gastronomie

Social Dining mit Eatwith
Das Airbnb der Gastronomie

Die Idee des Teilens wirbelt das Restaurantgewerbe durcheinander: Auf Online-Portalen verabreden sich immer mehr Menschen zum gemeinsamen Essen. „Social Dining“ könnte zum nächsten großen Ding der Sharing Economy werden.

LondonDie roten Servietten sind sauber gefaltet, das Besteck akkurat ausgerichtet. Seit Stunden steht John in seiner beigefarbenen Küche mit den weinroten Wänden im angesagten Londoner Stadtteil Clapham Common und bereitet sich akribisch auf das bevorstehende Essen vor. Im schwarzen Hemd steht der Brite, der in Singapur aufgewachsen und von Beruf Sprachenlehrer ist, vor seinem Herd und prüft mit strenger Miene, ob er noch einmal nachwürzen muss.

Von dem mehrgängigen Menü, das der grauhaarige Hobbykoch an diesem Abend kredenzen will, hat er dabei sehr genaue Vorstellungen – im Gegensatz zu den Charakteren der Gäste, die in seiner Wohnküche Platz nehmen werden. Kaum einen der Eingeladenen hat John zuvor bereits einmal gesehen. Denn die Gäste kommen nicht aus Johns Bekanntenkreis, sondern haben sich über das Online-Portal Eatwith mit dem Briten zum Essen verabredet.

Der Fremde am Tisch. Social Dining nennt sich der Trend, bei dem sich völlig unbekannte Menschen bei lokalen Hobby-Köchen zum gemeinsamen Essen treffen – und der nun nach Europa auch immer mehr in den USA populär wird. So bringen Online-Dienste wie Eatwith, Let's Lunch oder Traveling Spoon in immer mehr Ländern wildfremde Menschen zusammen, um miteinander zu essen.

Rate mal, wer zum Essen kommt? Für die Nutzer der Online-Portale ist diese Frage durchaus ernst gemeint. Mehr als 500 Köche in 150 Städten bieten allein auf der Online-Plattform Eatwith ihre Dienste an. Die Ökonomie des Teilens mischt damit immer mehr etablierte Branchen auf. Denn nach dem Taxigewerbe, das durch den Mitfahrtdienst Uber attackiert wird, und den Herbergen, die sich mit der Privatzimmervermittlung Airbnb konfrontiert sehen, wirbeln nun virtuelle Mitess-Zentralen das Restaurantgewerbe durcheinander.

Esse lieber ungewöhnlich. Apps wie Eatwith haben sich zu so etwas wie einem Mahlzeit-Airbnb entwickelt. Wer daheim vorzeigbar kochen kann, bietet hier für Fremde die Möglichkeit, gut und privat zu essen. In vielen Metropolen gelten diese sogenannten „Supperclubs“ als kulinarische Geheimtipps. Zwischen fünf und 16 Gäste kommen und zahlen in der Regel 30 bis 80 Euro für ein Menü – was die Kosten für die Zutaten und den Arbeitsaufwand der Köche abdecken soll. Jeder Gastgeber beschreibt sich und seine Küche auf der Website und gibt praktische Zusatzinfos wie Lage der Wohnung, die maximale oder minimale Anzahl der Gäste, die bekocht werden, sowie die erwartete Dauer des Essens.

Entscheidet sich ein Gast für ein Menü, stellt er über die App eine Buchungsanfrage. Bestätigt der Gastgeber, bekommt der Gast die genaue Adresse und der zuvor ausgewiesene Teilnahmebeitrag wird per Paypal oder Kreditkarte eingezogen.

Tapas in Spanien? Ein koscheres Menü in Israel? Britische Cuisine in London-Clapham? Das Prinzip der Mitess-Apps ähnelt der erfolgreichen Privatzimmervermittlung Airbnb.

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