Sparpläne
Bilfinger will 1250 Stellen abbauen

Roland Koch greift durch: Um den Baukonzern auf Kurs zu bringen will der Bilfinger-Chef weltweit 1250 Stellen streichen. Auch die Struktur des Konzern soll im kommenden Jahr massiv umgebaut werden.
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BerlinBilfinger-Chef Roland Koch verordnet dem mit schleppenden Geschäften kämpfenden Konzern einen kräftigen Stellenabbau. In den kommenden beiden Jahren sollen weltweit 1250 der rund 9000 Arbeitsplätze wegfallen, wie der Vorstand am Donnerstagabend ankündigte. Der Abbau trifft vor allem die Verwaltung am deutschen Heimatmarkt. Koch will die Struktur der bisher nebeneinander arbeitenden Teilkonzerne vereinfachen, um Kosten zu sparen und den Mannheimer Konzern mit seinen insgesamt 70.000 Beschäftigten besser steuern zu können.

Mit seinen Plänen zum Umbau stieß der ehemalige hessische Ministerpräsident im Bilfinger-Vorstand offenkundig nicht bei allen auf Akzeptanz. Thomas Töpfer, Chef der Industrieservice-Sparte, wird den Konzern Ende Oktober verlassen, "da unterschiedliche Auffassungen über die Umsetzung der Geschäftspolitik bestehen", wie Bilfinger mitteilte. Neu in das Gremium rückt Pieter Koolen. Der 57-Jährige war bisher Chef des Anfang 2012 übernommenen Unternehmens Tebodin.

An der Börse sorgten die Ankündigungen des Hochtief -Konkurrenten für Verkäufe: Die im Mittelwerteindex MDax gelistete Bilfinger-Aktie verlor in der Spitze bis zum Mittag über ein Prozent auf 76,37 Euro. Equinet-Analyst Ingbert Faust fand jedoch lobende Worte. Vor dem Hintergrund der Akquisitionen und sicher auch doppelt besetzter Stellen seien dies organisatorisch richtige Schritte.

Bilfinger steht derzeit unter Druck. Vor allem in Europa - wo rund 80 Prozent der Geschäfte abgewickelt werden - fehlt dem Konzern der Rückenwind. Im Service-Geschäft mit Industrie- und Immobilienkunden herrscht Preisdruck, lukrative Aufträge zum Bau neuer Kraftwerke in Deutschland sind Mangelware, die bereits zusammengestutzte Bau-Sparte schreibt nur hauchdünne Gewinne. Um effizienter, günstiger und damit wettbewerbsfähiger zu werden, will Koch nun den Konzern umbauen und dadurch Kosten senken. Bereits im August hatte er angekündigt, dass Jobkürzungen in der Verwaltung nicht auszuschließen seien.

"Die nicht operativen Teilkonzernholdings werden auf die Bilfinger SE verschmolzen, die operative Führung wird künftig durch 14 Divisionen innerhalb der SE wahrgenommen", kündigte der Vorstand an. Dies solle Anfang 2014 geschehen. Im Rahmen dessen sollen auch die Verwaltungsfunktionen zusammengeführt werden und Stellen abgebaut werden. Der Ex-Politiker Koch - seit zwei Jahren an der Unternehmensspitze - erhofft sich davon, ab 2015 die Personalkosten um 80 bis 90 Millionen Euro zu drücken. Kochs Meinung nach ist die Personalkostenquote von derzeit zehn Prozent "auf Dauer nicht tolerierbar", wie er zuletzt bereits deutlich gemacht hatte.

Auch Wettbewerber kämen mit einer Quote von neun Prozent zurecht. Die Zahl der betriebsbedingten Kündigungen will Bilfinger "so gering wie möglich" halten, etwa indem betroffenen Mitarbeitern "vergleichbare Arbeitsplätze im Konzern" angeboten werden. Die Sachkosten des Konzerns, der insgesamt knapp 70.000 Mitarbeiter beschäftigt, sollen zudem in niedriger bis mittlerer zweistelliger Millionenhöhe sinken.

Auch Konkurrent Hochtief steckt derzeit im Umbau. Während Koch bei Bilfinger stärker auf Dienstleistungen setzt, hat der neue Hochtief-Chef Marcelino Fernandez den Essenern jedoch verordnet, sich auf traditionelle Stärken im Baugeschäft zu konzentrieren. Hochtief soll so vor allem im Infrastrukturgeschäft wachsen. Die Strategie machte sich im zweiten Quartal mit einem Gewinnsprung bezahlt.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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