Starkregen und die Folgen Wie man eine Stadt trockenlegt

Vollgelaufene Keller und unbefahrbare Straßen nach Starkregen zeigen, dass die Infrastruktur in Deutschland nicht mehr zeitgemäß ist. Eine Baufirma beweist in Kopenhagen und Dortmund, wie man eine Stadt trockenlegt.
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Die Kanalisation der Hauptstadt – nach einem Dauerregen völlig überfordert. Quelle: dpa
Starkregen in Berlin im Sommer 2017

Die Kanalisation der Hauptstadt – nach einem Dauerregen völlig überfordert.

(Foto: dpa)

Dortmund, DüsseldorfDieses Mal hieß die Übeltäterin „Burglind“. Anfang des Monats sorgte das Tief mit seinen Sturmböen und Regenmassen in Hessen, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen für Dauereinsätze der Feuerwehr, umgestürzte Bäume und überschwemmte Straßen. Der Schaden: rund 300 Millionen Euro. Auch in der Schweiz, Frankreich, den Niederlanden und Großbritannien wütete das Sturmtief.

„Die Häufigkeit und Intensität von schweren Gewitterstürmen mit kurzfristig hohen Niederschlagsmengen haben in Teilen Nordamerikas, Europas und Deutschlands zugenommen“, sagt Ernst Rauch, leitender Klima- und Geowissenschaftler beim Rückversicherer Munich Re. Der Grund dafür sei mit hoher Wahrscheinlichkeit der Klimawandel. Gegen Sturzfluten und Überschwemmungen seien nur 40 Prozent der Gebäude in Deutschland versichert.

„Die Menschen glauben, dass sie nur dann von Überschwemmungen betroffen sind, wenn sie in der Nähe eines Flusses wohnen“, sagt Rauch. Doch Starkregen und Sturzfluten der Vergangenheit hätten das Gegenteil gezeigt. Natürlich plädiert er für eine Elementarversicherung, sagt aber auch, dass die nur Schadensbegrenzung betreiben könne. „Prävention ist wichtig“, meint er. Die könne im Kleinen bei Privatpersonen liegen. Doch vor allem seien infrastruktur- und bautechnische Maßnahmen nötig.

Der Baudienstleister Drees und Sommer hat die veränderte Wetterlage als neues Geschäftsfeld entdeckt. Das Unternehmen mit Sitz in Stuttgart berät Bauherren und Investoren bei Fragen rund um Immobilien und Infrastruktur. 2016 machte das Unternehmen 334,8 Millionen Euro Umsatz und beschäftigte 2400 Mitarbeiter weltweit. Nun sollen Starkregen-Manager dafür sorgen, dass neue Gebäude an die gegebenen Umweltverhältnisse angepasst werden.

Einer von ihnen ist Jochen Kurrle. Unter der Leitung des 53-jährigen Ingenieurs von Drees und Sommer ist in den vergangenen Jahren am Stadtrand von Dortmund auf einem ehemaligen Stahlwerksareal der Phoenix-See entstanden. Bürogebäude, Häuser, Restaurants und Grünflächen wurden rund um den künstlich angelegten See angelegt. Wo einst Arbeiter wohnten, haben nun die Fußballstars von Borussia Dortmund ihr Domizil.

Bei schönem Wetter ist der Phoenix-See ein beliebtes Ausflugsziel, doch bei Regen dient er als Auffangbecken für den Niederschlag und als Rückstaubecken für die nahe fließende Emscher, um so die Innenstadt Dortmunds zu schützen. Denn das Areal rund um den Phoenix-See ist starkregensicher gebaut.

„Der Wasserspiegel des Sees wurde künstlich abgesenkt, so dass er jederzeit Regenwasser in großen Mengen, zum Beispiel von den Dächern der Häuser, aufnehmen kann“, erklärt Kurrle. So wurde ein Retentionsraum geschaffen, eine Fläche, die gezielt geflutet werden kann. Die neuen Immobilien seien mit einem Dreikanalsystem gebaut worden, das das saubere Regenwasser in den See leitet. Die bis zu 80 Jahre alte Kanalisation sei auf die Mengen nicht ausgelegt. An den Straßenrändern wurden leicht abschüssige Grünflächen gebaut, so dass der Niederschlag die Möglichkeit hat, hier zu versickern, natürlich gereinigt wird und nicht die Straßen blockiert. „Wir müssen Straßenräume mehr nutzen“, sagt Kurrle.

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