Statt Sonderdividende
Füllhorn für Rhön-Aktionäre

Gute Nachrichten für die Rhön-Aktionäre: Klinikum-Gründer Münch will die Anleger stärker an Einnahmen aus dem Verkauf mehrerer Krankenhäuser beteiligen. Damit spielt er gegen die Pläne des Managements.
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BerlinRhön-Klinikum-Gründer Eugen Münch will die Aktionäre über einen Aktienrückkauf an den Milliardeneinnahmen aus der Veräußerung der meisten Krankenhäuser teilhaben lassen. „Damit wären vor allem die Kleinaktionäre gut bedient, besser als bei einer Sonderdividende, bei der das Finanzamt in der Regel kräftig mitkassiert“, sagte Rhön-Aufsichtsratschef Münch der „Süddeutschen Zeitung“ (Montagausgabe). Er fährt damit dem Rhön-Management in die Parade, das bislang eine Sonderdividende von bis zu 13,80 Euro pro Aktie erwogen hatte. „Als Anker-Aktionär bin ich strikt dagegen, eine Sonderdividende auszuschütten“, sagte Münch. Fresenius will Rhön-Klinikum für 3,1 Milliarden Euro den Großteil der Kliniken abkaufen - die Transaktion ist noch nicht vollzogen. Rhön-Klinikum lehnte eine Stellungnahme ab.

Nach Ansicht von Münch ist es „viel besser“, 800 Millionen Euro Bankschulden des Unternehmens auf einen Schlag zu tilgen und 400 Millionen Euro für Investitionen zurückzulegen. So werde Rhön-Klinikum unabhängig. Statt die verbleibenden 1,9 Milliarden Euro als Sonderdividende auszuschütten könne der Vorstand mit einfacher Aktionärsmehrheit eine Kapitaleinziehung beschließen. „Ich denke da an 50 Prozent der ausgegebenen Aktien“, sagte Münch. Wer seine Aktien verkaufen wolle, könne so mit einem Angebot von rund 28 Euro pro Anteilsschein rechnen.

An der Börse kam der Vorschlag gut an: Die im MDax notierten Rhön-Aktie gewann 2,1 Prozent auf 20,66 Euro. „Sowohl der Steuereffekt als auch der genannte Preis sind grundsätzlich positiv für die Aktie“, kommentierte Commerbank-Analyst Volker Braun. Steuern auf eine Sonderdividende würden vor allem Aktionäre in den USA und Großbritannien treffen. Die regulatorischen Rahmenbedingungen bei der Umsetzung des Vorschlags seien aber voraussichtlich nicht einfach. „Für solch einen Rückkauf wären wohl eine Hauptversammlung und noch andere Beschlüsse nötig“, sagte Braun.

Münch und seine Frau selbst, die zusammen rund 12,5 Prozent der Anteile halten, wollen keine ihrer Aktien verkaufen. „Wir wollen das Geld im Unternehmen lassen“, sagte Münch der Zeitung. „Freiwillig ziehe ich mich nicht zurück. Es müssten dann schon Bessere oder Stärkere kommen. Ich bin gespannt“, sagte Münch.

Unklar ist, wie der Klinikbetreiber Asklepios und der nordhessische Medizintechnikkonzern B. Braun Melsungen zu dem Vorstoß von Münch stehen. Asklepios hält derzeit mehr als fünf Prozent der Anteile. B. Baun Melsungen ist mit mehr als elf Prozent an Rhön beteiligt und will noch weiter aufstocken. Asklepios lehnte eine Stellungnahme zu dem Münch-Vorschlag ab, bei B. Braun war zunächst keine Stellungnahme erhältlich.

Beide Firmen hatten sich 2012 mit Beteiligungen bei Rhön in Stellung gebracht und damit eine Übernahme des Klinikbetreibers durch den Gesundheitskonzern Fresenius blockiert. Sie fürchten eine Vormachtstellung von Fresenius und Rhön auf dem deutschen Klinikmarkt - Asklepios als Klinikrivale, B. Braun als großer Krankenhauszulieferer. Der Streit beschäftigt auch die Gerichte. Asklepios und B. Braun hatten Anfechtungsklagen gegen den Beschluss der Rhön-Hauptversammlung eingereicht, mit dem die Klausel von 90 Prozent für alle wichtigen Firmenentscheidungen gekippt wurde. Pikant daran: Die Stimmen von B. Braun wurden bei der entscheidenden Abstimmung nicht gezählt. Das zuständige Registergericht lehnte es unlängst ab, die Änderung in die Satzung eintragen zu lassen. Damit gilt bei Rhön weiterhin die 90-Prozent Klausel.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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