Steigender Wettbewerb
Deutsche Börse erwartet turbulentes Jahr

Den Fusionsflop von vor einem Jahr hat die Deutsche Börse abgehakt. Nun wollen die Frankfurter im schärfer werdenden Wettbewerb der Handelsplätze auch künftig ganz vorne mitspielen – in Konkurrenz mit Asien und den USA.
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Eschborn/FrankfurtDie Deutsche Börse stimmt auf ein weiteres turbulentes Jahr ein. „Die akuten Flächenbrände der Finanzkrise mit ihrem bisherigen Höhepunkt im Jahr 2008 und der nachfolgenden Euro-Schuldenkrise lodern zwar nicht mehr. Doch nach wie vor existieren hinreichend ernstzunehmende Glutherde, die weiter schwelen“, sagte Vorstandschef Reto Francioni beim Neujahrsempfang der Deutschen Börse AG am Montagabend in Eschborn. Eine Hypothek sei die Staatsverschuldung der USA.

Unter den Börsen erwartet Francioni weitere Fusionen, vor allem in Asien. Die Deutsche Börse wolle weltweit weiter ganz vorne mitspielen: „Ergo: Greifen wir an.“ Vor fast genau einem Jahr, am 1. Februar 2012, war der Plan eines Zusammenschlusses des Frankfurter Marktbetreibers mit der New Yorker Nyse Euronext am Widerstand der EU-Kommission gescheitert. Die Brüsseler Wettbewerbshüter befürchteten, dass in Europa ein Quasi-Monopolist im lukrativen Handel mit Derivaten, also Finanzwetten, entstehen würde. Das Kapitel sei abgeschlossen, bekräftigte Francioni.


Wegen der Zusammenschlüsse in der Branche stellt die Deutsche Börse sich auf steigenden Wettbewerb ein. Auch in den USA würden viele Börsenbetreiber ihre Kräfte bündeln, sagte Francioni - und zitierte den ehemaligen deutschen Fußballnationaltrainer Berti Vogts: "Die Breite an der Spitze ist dichter geworden." Der angekündigte Kauf der New York Stock Exchange (Nyse) durch den US-Konkurrenten ICE habe Deutschlands größter Börsenbetreiber erwartet und sich darauf vorbereitet, erklärte Francioni. "Er bereitet uns keine schlaflosen Nächte, aber er zeigt deutlich: Wir dürfen und wir werden uns keine Minute ausruhen."

Die Deutsche Börse wolle in den kommenden Jahren vor allem auf neue Märkte setzen, betonte Francioni beim Neujahrempfang des Konzerns in Eschborn bei Frankfurt. "Das entscheidende Wachstum in unseren Märkten wird zukünftig nicht in Europa oder Nordamerika stattfinden, sondern in Asien und Lateinamerika." Die Deutsche Börse habe sich dort in den vergangenen zwölf Monaten massiv verstärkt und werde es weiter tun.

Francioni geht davon aus, dass die Konsolidierung der Branche auch in Asien weiter voranschreiten wird - "und wir täten gut daran, diese Entwicklung scharf im Auge zu behalten". Die Börsen in Tokio und Osaka haben fusioniert, die Handelsbetreiber in Hongkong, Shenzhen und Shanghai arbeiten enger zusammen.

Francioni selbst strebt - nach diversen gescheiterten Versuchen - keine Fusionen oder große Übernahmen mehr an. Nach der europäische Mehrländerbörse Euronext, die 2014 auf den Markt kommen könnte, will die Deutsche Börse ihre Fühler nicht ausstrecken, sagten mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters.

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dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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