Stellenabbau
Neuer TUI-Chef krempelt Konzern um

Der Reiseveranstalter Tui will im nächsten Geschäftsjahr wieder eine Dividende ausschütten. Damit das möglich ist, hat sich der Konzern ein Sanierungspaket auferlegt. Gespart wird unter anderem am Personal.
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FrankfurtDrei Monate nach seinem Amtsantritt greift der neue Tui-Chef Friedrich Joussen durch und verordnet dem europäischen Reisemarktführer eine tiefgreifende Sanierung. Ziel sei es, im Geschäftsjahr 2014/15 wieder eine Dividende zu zahlen, teilte TUI am Mittwoch mit. Zuletzt hatte der Konzern für das Jahr 2007 eine Dividende ausgeschüttet.

Zudem nimmt sich das Traditionsunternehmen vor, 2014/15 einen operativen Gewinn (bereinigtes EBITA) von einer Milliarde Euro zu erwirtschaften - vergangenes Jahr lag die Kennzahl bei 746 Millionen Euro. Den Anlegern gefielen die Pläne: Mit einem Aufschlag von mehr als drei Prozent auf 15,60 Euro gehörten die Tui-Aktien zu den größten Gewinnern im Dax.

Um das Gewinnziel zu erreichen sollen nicht - wie bei Tui in der Vergangenheit üblich - im großen Stil Geschäfte ge- und verkauft werden. "Wir wollen aus den bestehenden Strukturen des Konzerns mehr rausholen", sagte Joussen. Um das zu erreichen, soll unter anderem die Zahl der Arbeitsplätze in der Konzernzentrale in Hannover von derzeit 186 auf unter 100 sinken. Sozialplanverhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern liefen bereits. Daneben sei geplant, das Hotel-Geschäft mit seinen vielen verschiedenen Marken zu straffen und das Kreuzfahrtgeschäft von Hapag-Lloyd umzubauen. Überraschend kommt der Kurs nicht: Der frühere Vodafone -Deutschland-Chef Joussen hatte bereits an seinem ersten Arbeitstag Mitte Februar angekündigt, die Strukturen umkrempeln zu wollen. Der Konzern zählt insgesamt 74.000 Mitarbeiter.

Das Kernproblem von Tui ist bekannt: Das Unternehmen hat sein Reisegeschäft vor Jahren nahezu komplett bei Tui Travel in Großbritannien gebündelt. Dieses steuert 97 Prozent zum Jahresumsatz von 18,3 Milliarden Euro bei. Mittlerweile bereuen die Niedersachen den Schritt, da sie nicht genug Geld in der Kasse haben, um die restlichen Anteile an der britischen Tochter zu kaufen. Ein Anlauf, um Tui und Tui Travel wieder unter einen Hut zu bringen, scheiterte im Januar. Einen neuen Versuch werde es vorerst nicht geben, sagte Joussen.

Die Anlaufkosten für den Umbau lasteten bereits im abgelaufenen Quartal auf der Konzernbilanz: Der Verlust nach Minderheiten summierte sich im zweiten Quartal auf 248,4 Millionen Euro nach einem Minus von 185 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Dabei hatten Analysten mit einer Verringerung der Verluste gerechnet. Dennoch hob Tui seine Prognose für das bis Ende September laufende Geschäftsjahr wegen der hohen Nachfrage nach Reisen bei Tui Travel an: Der Vorstand erwartet nun für das bereinigte Ebita eine Steigerung im Vergleich zum Vorjahr - bislang war hier ein Wert auf dem Niveau des Vorjahres erwartet worden.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Alle anderen Unternehmen müssen auch sparen. Deshalb können sich immer mehr Bürger die Reise mit TUI nicht mehr leisten. Deshalb muß man nochmehr sparen.
    usw...

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