Streit um externe Flughafen-Kontrolleure
Mehdorn riskiert mit Wutbrief seinen Job

Hartmut Mehdorn wirft seinem Arbeitgeber „Misstrauenskultur“ und „Zynismus“ vor. In einem Wutbrief macht sich der Berliner-Flughafen-Geschäftsführer Luft – und riskiert damit seinen Arbeitsplatz.
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BerlinBER-Geschäftsführer Hartmut Mehdorn hat vom Aufsichtsrat der Berliner Flughafengesellschaft mehr Rückhalt eingefordert. „Ein Aufsichtsrat muss Vertrauen in seine Geschäftsführung haben. Entweder er traut seiner Geschäftsleitung, oder er sucht sich eine neue. Dazwischen gibt es nichts“, sagte Mehdorn dem „Tagesspiegel am Sonntag“. Der Manager hatte sich zuletzt gegen externe Kontrolleure in seinem Unternehmen gewehrt.

Dem „Tagesspiegel“ (Samstag) zufolge beschwerte er sich darüber in einem Brief an den scheidenden Berliner Regierenden Bürgermeister und Aufsichtsratschef Klaus Wowereit (SPD). Der Bund und Brandenburg als zwei der drei Flughafen-Gesellschafter dringen auf bessere Kontrollmechanismen. Der Flughafen Berlin Brandenburg ist wegen Bau- und Planungsfehlern drei Jahre nach dem ursprünglichen Eröffnungstermin noch immer nicht in Betrieb.

Die „Bild am Sonntag“ berichtete ohne Angaben von Quellen, Mehdorn sandte auch ein zweiseitiges Schreiben an das Bundesverkehrsministerium. Darin werfe er den Flughafen-Eigentümern vor, „in unserem Haus eine Inquisition der Jahre 2013 und 2014 durchzuführen. Das Ganze passt zu der von uns erlebten und beklagten Misstrauenskultur rund um den BER“, hieß es unter Berufung auf den Brief vom 5. Dezember.

Zum Hintergrund erläutert die Zeitung in einer Mitteilung: Die Gesellschafter Berlin, Brandenburg und der Bund wollen externe Gutachter auf die Baustelle schicken, um die anhaltenden Probleme zu beleuchten. Laut der vertraulichen Auftragsbeschreibung soll insbesondere untersucht werden, „ob der Aufsichtsrat (...) von der Geschäftsführung rechtzeitig, im richtigen Maß/Format sowie verständlich in der gebotenen Qualität (...) unterrichtet wurde“. Ganz ähnlich hatte vor anderthalb Jahren der Auftrag an Wirtschaftsprüfer und Juristen geklungen, um den damaligen Flughafenchef Rainer Schwarz endgültig zu entlassen.

Süffisant bedankt sich Mehdorn in dem Brief für eine unnötige „Belehrung“ im GmbH-Recht und bietet im Austausch eine „Lehrstunde“ zur Unternehmensführung an. „Ihren Hinweis auf einen guten Geist und gute Zusammenarbeit empfinden wir als Zynismus und völlige Unkenntnis des Unternehmens und seiner angespannten Lage“, schreibt der Manager an das Bundesverkehrsministerium.

Seine harsche Zeilen, so die „Bild am Sonntag“, könnten Mehdorn seinen Job kosten, denn: juristisch, so die Zeitung, reichen diese Sätze wohl für eine Kündigung aus. Am kommenden Freitag wird es eine Aufsichtsratssitzung geben, auf der es nun zum großen Knall kommen könnte. Eine Verlängerung des Ende Februar 2016 laufenden Vertrag mit Mehdorn gilt mittlerweile als ausgeschlossen.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Carina Kontio ist Redakteurin im Ressort Unternehmen & Märkte.
Carina Kontio
Handelsblatt / Redakteurin Unternehmen

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  • Das ist das deutsche Management bzw. unsere Experten: Zeit für Briefe, Zeit für die Beendigung der bauten zum angegebenen Preis haben Sie nicht. Sie wollen Deutschland und den Bürger nur schädigen, damit Sie dafür noch Boni abzocken können. Warum weigern sich diese leute ihre Zusagen einzuhalten? Es wird sich erst etwas ändern, wenn diese Leute sofort lebenslang ins Gefängnis müssen bei gleichzeitigen kompletten Vermögensentzug! Warum werden diese Experten nicht fristlöoch gefeuert und verklagt wegen erwiesener Unfähigkeit bzw. bewussten Abzocken?

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