Taxi-Konkurrent Uber
Riese auf dem Rückzug

Die Mobilitätsplattform Uber kommt in Deutschland einfach nicht voran. Aus Hamburg, Frankfurt und Düsseldorf will sich das US-amerikanische Start-up vorerst zurückziehen. Der Grund ist ein ganz praktischer.
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DüsseldorfInternational ist Uber ein Riese. Keine Mobilitätsplattform vermittelt mehr Fahrten als die Amerikaner. Mit einem geschätzten Börsenwert von 50 Milliarden Dollar ist das Start-up mittlerweile wertvoller als der Autobauer Fiat-Chrysler – beteiligt sind unter anderem Google und Goldman Sachs. In Deutschland schrumpft Uber nun wieder zum Zwerg. Vorerst, wie das Unternehmen betont.

Ab dem 9. November 2015 wolle man in Düsseldorf, Hamburg und Frankfurt eine Pause einlegen, teilte das Unternehmen vor einigen Tagen mit. Dann werden keine Fahrten mehr über die App vermittelt. Man wolle das Geschäft künftig auf München und Berlin konzentrieren. In den anderen Städten könne man nicht für die gewohnte Servicequalität garantieren. Übersetzt: Den Amerikanern fehlen schlichtweg die Fahrer.

Denn seit der Dienst Uber Pop gerichtlich verboten wurde, dürfen Privatleute nicht mehr mit ihren eigenen Autos für Uber fahren. Der Dienst Uber X, der Mitte 2015 gestartet war, setzte danach auf selbstständige Mietwagenunternehmer. Doch bisher konnte Uber nach eigenen Angaben nur eine „niedrige dreistellige Zahl“ an Fahrern für das Angebot begeistern. Mit dem Rückzug ist Uber X und nur noch in München aktiv – in Berlin vermitteln die Amerikaner mit Uber Taxi ausschließlich normale Taxifahrten. 70 Prozent aller Fahrten werden in diesen beiden Städten unterwegs, betont Uber.

Schon zum Start hatten viele Taxizentralen betont, dass Uber X für die Fahrer wenig lukrativ sei. Schließlich müssen Mietwagenunternehmen laut Gesetz nach jeder Fahrt zum Firmensitz zurückkehren. Darüber hinaus zahlen Mietwagenunternehmen im Gegensatz zu Taxifahrern den vollen Mehrwertsteuersatz. Trotzdem warb Uber damit, die Fahrten trotz Vermittlungsgebühr günstiger anzubieten als klassische Taxis. Ein Geschäftsmodell, das bisher nicht aufzugehen scheint.

„Insbesondere die Unsicherheiten und Ermessensspielräume auf lokaler Ebene haben wir unterschätzt“, erklärt Uber-Deutschlandchef Christian Freese im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Denn der Weg zum selbstständigen Unternehmer mit eigener Konzession ist steinig. Neben einem Personenbeförderungsschein müssen Mietwagenunternehmer bei der IHK eine eigene Prüfung ablegen. Die Gebühren von 160 Euro pro Prüfung und 200 Euro für einen freiwilligen Vorbereitungskurs trägt der Fahrer. Eventuelle Misserfolge auch. Bundesweit bestehen nur 39 Prozent aller Prüflinge, der Rest fällt durch, teilt die IHK auf Anfrage mit. Da die mündliche Prüfung auch durch etablierte Taxiunternehmer abgenommen werden, sei die Durchfallquote bei Uber-Partnern, aber auch bei neuen Taxi-Unternehmern hoch gewesen, betont Uber-Chef Freese. Einige hätten das Verfahren darum vorzeitig abgebrochen.

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Harter Widerstand in der Taxibranche

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  • Zum Kommentar von Herrn Edward Jäger:

    Danke, ich fahre lieber mit dem Bus.

  • Uber und Airbnb erinnern mich stark an den Dotcom Hype.
    Wenn Geld im Überfluß vorhanden ist, wird auch der letzte Dreck als allerbestes Geschäftsmodell angepriesen - und gekauft.
    Die erledigen sich wie damals mit der Zeit von alleine.
    Dumm nur, wer dort ernsthaft investiert (hat).

  • In der DDR gab es uber früher auch. Die nannten sich "Schwarztaxis". Da standen Privatwagen meist an Bahnhöfen rum und haben dort auf Kunden gewartet. Damals gab es aber kaum Taxis und außerdem waren die Fahrten doppelt so teuer als mit den privaten. Ich persönlich würde in diese Privatwagen der Uber-Fahrer nicht einsteigen. Wer sich mit seinem eigenen Pkw in so ein Geschäftsmodell begibt, (...) Also hat er dann auch nur eine alte runtergerittene Karre, die schon seit Jahren keine gescheite Wartung in einer Vertragswerkstatt gesehen hat. Ich will aber nicht schlechter transportiert werden, als ich privat unterwegs bin. Wenn ich Taxi fahre, will ich mit einem Mercedes gefahren werden. Den wird sich wohl kein Uber-Fahrer leisten können. (...) Da braucht die normale Taxi-Zunft keine Angst davor zu haben. Uber nimmt denen keinen einzigen Kunden weg. (...)

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

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