Teldafax und Fußball
Ein Leverkusen-Trikot für Diktator Lukaschenko

Das Image-Desaster für Bayer 04 Leverkusen weitet sich aus. Interne Dokumente zeigen: Der Völler-Klub machte nicht nur Werbung für den Skandalanbieter Teldafax, sondern gab sich auch als Lockvogel für Investoren her.
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LeverkusenDie Beziehung des Fußballbundesligisten Bayer 04 Leverkusen und des inzwischen untergegangenen Billigstromanbieters Teldafax ging tiefer als bisher bekannt. Das Handelsblatt berichtete am Freitag exklusiv in seiner neuen App Handelsblatt Live, dass Bayer 04 Leverkusen eine zentrale Rolle spielte bei den Versuchen der Teldafax-Führung, das Unternehmen für einen dreistelligen Millionenbetrag an osteuropäische Investoren zu verkaufen, bevor der marode Zustand des Stromdiscounters öffentlich bekannt wurde. Besonderen Wert legten die Geschäftspartner dabei auf einen Mann: Rudi Völler.

Zur Anbahnung von Kontakten nutzte Teldafax die Bekanntheit seines Werbepartners geschickt aus. Bayer 04 veranstaltete Freundschaftsspiele an von Teldafax vorgegebenen Orten. Im Umfeld dieser Spiele fanden dann Gespräche mit Investoren statt. Ein Schriftwechsel belegt, dass die Osteuropäer sich begeistert über den Besuch von Bayer 04 Leverkusen und besonders auch vom ehemaligen Fußball-Weltmeister Rudi Völler zeigten. Leverkusens Sportdirektor Völler reiste zu diesen Anlässen mit.

Die Unterlagen zeigen pikante Details. So reisten Bayer 04 und Teldafax am 19. Juli 2008 nach Minsk – mit einem besonderen Geschenk für den weißrussischen Diktator Alexander Lukaschenko im Gepäck. Am Rande des Freundschaftsspiels gegen den Landesmeister FC Minsk überreichte die Teldafax-Delegation dem Gewaltherrscher ein Bayer-Trikot mit dem Namen Lukaschenko, Größe XXL. Bayer spielte an diesem Tag diplomatisch 2:2.Die Gespräche in Weißrussland scheiterten. Mehr Erfolg hatte Teldafax zwei Jahre später. Im November 2010 willigte der russische Stromanbieter Energo Stream ein, bei den Deutschen einzusteigen. Zunächst flossen 30 Millionen Euro. Verhandlungsunterlagen zeigen, dass Teldafax auch diesmal besonders herausstrich, mit Bayer 04 Leverkusen einen ganz besonderen Werbepartner zu haben. Sogar ein Bild von Rudi Völler ist zu sehen. In den folgenden Monaten flossen weitere 85 Millionen Euro von Russland nach Deutschland.

Für Energo Stream war die Investition ein Desaster. Teldafax meldete nur sieben Monate nach der ersten Überweisung Insolvenz an. Nun muss sich der russische Konzern in die lange Schlange der 500.000 Gläubiger einreihen, die bei Teldafax Geld verloren.

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Sönke Iwersen
Sönke Iwersen
Handelsblatt / Leiter Investigative Recherche

Kommentare zu " Teldafax und Fußball: Ein Leverkusen-Trikot für Diktator Lukaschenko"

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  • Buhu. Ich sehe in dem Artikel auch nichts, was irgendwem zum Vorwurf gemacht werden könnte. Teldafax und Bayer haben eine Partnerschaft vereinbart, in der Bayer Geld von Teldafax bekommt. Im Gegenzug darf sich doch so ein Konzern brüsten, mit dem Rudi per Du zu sein. Wenn überhaupt belegt das, dass Bayer die 16 Millionen plus Zinsen, die der Insolvenzverwalter zurückfordert, mehr als verdient hat!

  • Hallo? Noch vor ein paar Jahren gingen Diktatoren, wie Mubarak, al-Assad und Gadhafi in Deutschland als Staatsgäste ein und aus. Wie lächerlich wirkt da dieser Vorwurf.

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