Tool der Woche – Heizen Wie Sie günstiger heizen

Spätestens im Oktober müssen viele deutsche Verbraucher die Heizungen wieder aufdrehen – und dafür mitunter tief ins Portemonnaie greifen. Warum ein Anbieter-Vergleich bares Geld wert sein kann.
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Während der Heizsaison können hohe Kosten entstehen. Oftmals lohnt sich ein Anbietervergleich. Quelle: dpa
Heizen kann ins Geld gehen

Während der Heizsaison können hohe Kosten entstehen. Oftmals lohnt sich ein Anbietervergleich.

(Foto: dpa)

FrankfurtDie letzte Heizperiode hatte es in sich. Ein klassischer drei- bis vierköpfiger Haushalt mit einem Verbrauch von 20.000 Kilowattstunden pro Jahr musste im Vergleich zum Vorjahr rund elf Prozent mehr bezahlen. Gaskunden kostete die Energie mit 1188 Euro durchschnittlich vier Prozent mehr. Wer mit Öl heizte, zahlte durchschnittlich 1152 Euro – 40 Prozent mehr.

Dabei ist der Gaspreis so niedrig wie seit zwölf Jahren nicht mehr. Eine Kilowattstunde kostete im August im Schnitt nur noch 5,76 Cent, wie das Vergleichsportal Verivox berechnete. „Das internationale Gasangebot ist groß und neue Akteure wie beispielsweise die USA drängen auf den Markt. Daher gehen wir mittelfristig von weiter sinkenden Gaspreisen aus“, sagt Mathias Köster-Niechziol, Energieexperte bei Verivox. Das aktuelle Preisniveau sei mit dem im Herbst 2005 zu vergleichen.

So viel kostet Heizen mit Öl, Gas, Holz und Strom
Heizkostenvergleich – was ist normal?
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Ein Heizkostenvergleich mit Durchschnittswerten ist nur ein grober Anhaltspunkt, weil sich Gebäude, Heizverhalten und Verbrauch in jedem Einzelfall unterscheiden - und nicht zuletzt auch die Witterung. Die Angaben zu den Heizkosten beziehen sich deshalb auf einen Musterfall, nämlich ein freistehendes Einfamilienhaus mit 200 Quadratmetern Wohnfläche. Dabei wurden vier Gebäudestandards verglichen, angefangen bei den Baustandards vor 1977 bis hin zum modernen Passivhaus. Der Energieverbrauch wurde mit Durchschnittswerten pro qm Wohnfläche angesetzt.
Quelle: energieheld.de; Stand: Mitte 2016

Gasheizung
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Durchschnittlich liegt der Energieverbrauch bei einer Gasheizung bei 160 kWh pro qm pro Jahr, das entspricht rund 16 Kubikmetern Erdgas oder 10,43 Euro im Jahr für jeden Quadratmeter. Aber zwischen den Gebäudetypen gibt es riesige Unterschiede: Altbauten benötigen 200 kWh pro qm und mehr, ein Passivhaus nur 15 kWh pro qm. In der Jahresrechnung macht einen Unterschied von 2500 Euro. Der Warmwasserbedarf wurde dabei nicht berücksichtigt.

Durchschnittlicher Energieverbrauch eines Einfamilienhauses mit Gas-Heizung:

GebäudeartRechnung
(kWh/m²*a) * m² * (€/kWh)
Heizkosten
pro Jahr
Baujahr bis 1977 200 x 200 x 0,0694 €2.776 €/a
Baujahr bis 2002 100 x 200 x 0,0694 €1.388 €/a
KfW-Effizienzhaus 7060 x 200 x 0,0694 € 833 €/a
Passiv-Haus 15 x 200 x 0,0694 €208 €/a

Ölheizung
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Wer mit Öl heizt, muss schon tiefer in die Tasche greifen, denn im Bundesdurchschnitt muss er 11,83 Euro pro Quadratmeter im Jahr zahlen. Öl ist immer noch deutlich teurer als Gas und unterliegt zudem stärkeren Schwankungen. So kommt es, dass der Passivhausbesitzer im Jahr – wieder ohne Warmwasserverbrauch – im Jahr 261 Euro zahlt, der Eigentümer von 200 Quadratmetern Altbau schon 3480 Euro im Jahr berappen muss.

Jährliche Heizkosten eines Einfamilienhauses mit Ölheizung:

GebäudeartRechnung
(kWh/m²a) * m² * €/kWh) 
Heizkosten 
pro Jahr
(€/a) 
Heizkosten 
pro m² & Jahr
(€/m²a)
Baujahr bis 1977200 x 200 x 0,0873.480 €/a17,40 €/m²a
Baujahr bis 2002100 x 200 x 0,0871.740 €/a8,70 €/m²a
KfW-Effizienzhaus 70 60 x 200 x 0,0871.044 €/a 5,22 €/m²a
Passiv-Haus15 x 200 x 0,087261 €/a1,31 €/m²a

Pelletheizung
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Pellets aus gepressten Holzspänen sind der günstigste Energieträger für heutige Einfamilienhäuser – zumindest im Bundesdurchschnitt. Pro Quadratmeter Wohnfläche fallen im Jahr 9,22 Euro an. Selbst wer ein mehr als vierzig Jahre altes Haus besitzt, kommt im Durchschnitt noch mit 2300 Euro Heizkosten im Jahr aus. Nachhaltig ist diese Form des Heizens auch: Der nachwachsende Brennstoff Holz ist in der Gesamtbilanz klimaneutral, da nur so viel CO2 entsteht, wie vom Baum während seines Wachstums zuvor gebunden wurde.

Jährliche Heizkosten eines Einfamilienhauses mit Pelletheizung:

Gebäudeart Rechnung
(kWh/m²a) * m² * €/kWh) 
Heizkosten 
pro Jahr
(€/a) 
Heizkosten 
pro m² & Jahr
(€/m²a)
Baujahr bis 1977200 x 200 x 0,0576 €2.304 €/a11,52 €/m²a
Baujahr bis 2002100 x 200 x 0,0576 €1.152 €/a5,76 €/m²a
KfW-Effizienzhaus 7060 x 200 x 0,0576 €691 €/a3,46 €/m²a
Passiv-Haus15 x 200 x 0,0576 €173 €/a0,86 €/m²a

Scheitholz-Heizung
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Alternativ zur Pelletheizung lässt sich auch mit Scheitholz ein Haus beheizen, etwa einem speziellen Brennofen oder mit einem wasserführenden Kamin, von dem aus das mit Feuer erhitzte Wasser durch die Heizkörper im Haus gepumpt wird. Pro kWh benötigt man dafür durchschnittlich 4,2 Kilogramm Scheitholz, die Kosten liegen bei 1,13 Euro. Der Jahresbedarf liegt dann bei alten Häusern bei rund 9,5 Tonnen, im Passivhaus genügen hingegen 720 Kilogramm. Pro Quadratmeter Wohnfläche entstehen Durchschnittskosten von 10,45 Euro im Jahr. Im Altbau fallen 13,06 Euro, im Passivhaus 0,98 Euro pro Quadratmeter pro Jahr an. Für das 200-qm-Haus summieren sich die Kosten im somit auf einen Betrag zwischen 196 Euro (Passivhaus) und 2600 Euro (Baujahr vor 1977).

Jährliche Heizkosten eines Einfamilienhauses mit Scheitholz-Heizung:

Gebäudeart Rechnung
(kWh/m²a) * m² * €/kWh) 
Heizkosten 
pro Jahr
(€/a) 
Heizkosten 
pro m² & Jahr
(€/m²a)
Baujahr bis 1977200 x 200 x 0,0653 €2.612 €/a13,06 €/m²a
Baujahr bis 2002100 x 200 x 0,0653 €1.306 €/a6,53 €/m²a
KfW-Effizienzhaus 7060 x 200 x 0,0653 €784 €/a3,92 €/m²a
Passiv-Haus15 x 200 x 0,0653 €196 €/a0,98 €/m²a

Stromheizung (Nachtspeicher, Elektroradiatoren, Wärmepumpe)
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Früher waren sogenannten Nachtspeicherheizungen weit verbreitet, heute gelten sie als viel zu teuer. Stromheizungen sind heute vielmehr in Form von Wärmepumpen gefragt, die quasi Strom im Dauerbetrieb benötigen, um aus den Temperaturdifferenzen zwischen Außenluft und tieferen Erd-, Luft- und Wasserschichten Heizenergie zu generieren. Weil kaum ein Haus heute rein elektrisch beheizt wird, sind die Durchschnittwerte mit Vorsicht zu genießen. Durchschnittlich entstünden nämlich Kosten von 45,28 Euro pro Quadratmeter pro Jahr. Gemessen am unterstellten Energiebedarf entstehen im Musterfall für ein 200-qm-Haus so jährliche Ausgaben zwischen 861 Euro und 11.480 Euro im Jahr.

Jährliche Heizkosten eines Einfamilienhauses mit Elektro-Heizung:

Gebäudeart Rechnung
(kWh/m²a) * m² * €/kWh) 
Heizkosten 
pro Jahr
(€/a) 
Heizkosten 
pro m² & Jahr
(€/m²a)
Baujahr bis 1977200 x 200 x 0,28711.480 €/a57,4 €/m²a
Baujahr bis 2002100 x 200 x 0,2875.740 €/a28,7 €/m²a
KfW-Effizienzhaus 70 60 x 200 x 0,2873.444 €/a 17,22 €/m²a
Passiv-Haus15 x 200 x 0,287861 €/a4,31 €/m²a

Für den einzelnen Haushalt bedeuten die sinkenden Marktpreise jedoch nicht, dass sich die Heizkosten automatisch reduzieren. Denn die Gasversorger bestimmen – in unterschiedlicher Weise – die Marktpreise. So nutzten Verivox zufolge viele Gasversorger die günstigen Einkaufspreise, um Neukunden ein attraktives Angebot zu machen. Wer etwa noch von einem örtlichen Grundversorger beliefert würde, könne bei einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden nach einem Wechsel im Schnitt ganze 593 Euro pro Jahr einsparen.

Und auch beim Strom können Verbraucher einiges einsparen. „Wer aus der Grundversorgung herauswechselt und einen Verbrauch von 3500 Kilowattstunden pro Jahr hat, kann 200 bis 300 Euro sparen“, sagt Martin Brandis vom Bundesverband der Verbraucherzentrale. Sowohl bei Strom- als auch Gasanbietern sei jedoch Vorsicht geboten: „Wenn einige wenige Angebote deutlich günstiger sind, sollten Anbieter zumindest skeptisch sein“, sagt Brandis.

Denn oftmals bieten Anbieter neuen Kunden einen Bonus an – der nur für das erste Jahr gilt. Im zweiten Jahr kann der Vertrag jedoch schon deutlich mehr kosten. „Diese zusätzlichen Konditionen sind oft unterschiedlich ausgestaltet und deshalb schwer zu vergleichen“, erklärt Brandis. Bei einem Online-Vergleich könnten jedoch zumindest alle Angebote herausgefiltert werden, die einen Bonus enthalten.

Eine umfassende Vergleichsmöglichkeit haben Verbraucher bei den Handelsblatt-Rechnern Gas- und Strom-Vergleich.

Haben Interessierte den für sie besten Anbieter gefunden, kann es mit dem Wechsel ganz schnell gehen. Wer aus der Grundversorgung wechseln will, hat es am leichtesten, sagt Brandis. Hier beträgt die Kündigungsfrist im Schnitt zwei Wochen. Verbraucher, die bei ihrem Versorger bleiben und nur den Tarif wechseln wollen, können dies in der Regel sogar mit einem Telefonanruf klären. Kompliziert wird es nur, wenn Verbraucher von einem Anbieter, der kein Grundversorger ist, zum nächsten wechseln wollen.

Dann können Verbraucher ihren neuen Anbieter zwar mit der Kündigung beauftragen. „Es kommt aber vor, dass neue Anbieter eine bestimmte Kündigungsfrist versäumen“, sagt Brandis. Dann kommen Kunden nicht aus ihrem alten Vertrag raus – obwohl sie alles richtig gemacht haben. Deshalb sollten Kunden die Kündigung in diesem Fall unbedingt selbst übernehmen, so der Experte.

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