Tui erhöht Dividende
Kreuzfahrt-Boom sorgt für Gewinnsprung

Allen Krisen zum Trotz: Europas größter Reisekonzern Tui hat dank eines guten Geschäfts mit Kreuzfahrten und Hotels seine eigenen Ziele übertroffen. Aktionäre können sich auf eine deutlich höhere Dividende freuen.

DüsseldorfTerroranschläge in Tunesien und Ägypten, Preiskampf in Deutschland, verkorkster Börsengang der Containerreederei-Beteiligung Hapag-Lloyd – für Europas größten Reisekonzern Tui schien es in den vergangenen Wochen alles andere als gut zu laufen. Umso mehr überrascht es, dass Konzernchef Fritz Joussen am Donnerstag Jahresergebnisse vorlegte, die seine eigenen Prognosen übertrafen.

Mit einem bereinigten Betriebsergebnis (Ebita) von 1,07 Milliarden Euro steigerte der Reiseanbieter aus Hannover den Vorjahreswert um 15,4 Prozent. „Das war das erfolgreichste Jahr der Unternehmensgeschichte“, freute sich der Konzernchef, der vor zweieinhalb Jahren das damals mit Nettoverlusten kämpfende Unternehmen von Michael Frenzel übernommen hatte. Nach der Zahlenveröffentlichung ging es mit der Tui-Aktie, die im Londoner Börsensegment FTSE gelistet ist, um 5,8 Prozent nach oben.

Zur Begeisterung der Aktionäre kündigte Joussen an, die Dividende von 33 auf 56 Cent anzuheben, wodurch Tui voraussichtlich 328,5 Millionen Euro ausschütten will. Der Konzern, der vor einem Jahr mit seiner britischen Beteiligungstochter Tui Travel fusionierte und seitdem Hotels, Schiffe, Reiseveranstaltungen und den Vertrieb unter einem Dach bündelt, kann es sich leisten. Der Jahresgewinn kletterte im zurückliegenden Geschäftsjahr, das im September endete, um 32 Prozent auf 577 Millionen Euro.

Vor allem das Kreuzfahrtgeschäft beflügelt Tui, das im vergangenen Jahr das Ergebnis auf 80 Millionen Euro verachtfachte. Nicht nur die Kreuzfahrtlinie Tui Cruises („Mein Schiff“), ein Joint Venture mit dem US-Wettbewerber Royal Caribbean, verdiente 37 Millionen Euro mehr und expandiert weiterhin mit Schiffs-Neubestellungen. Auch Hapag-Lloyd Kreuzfahrten schaffte nach einer langen Flaute endlich den Turnaround. Hilfreich für die Luxus-Linie: Nach dem Kauf der zuvor geleasten „Europa 2“ spart sich die Reederei nun jährliche Mietkosten von 14 Millionen Euro.

Erfreut zeigte sich Joussen auch über die Ertragssteigerung der konzerneigenen Hotels, darunter Riu und Robinson Club. Hier stiegen sowohl die Auslastungen wie auch die Raten, was nicht zuletzt dem Konzernzusammenschluss zu verdanken sein dürfte. Bis vor einem Jahr unterstanden die Herbergen der Tui AG in Hannover, während der Reisevertrieb von der Londoner Tui Travel erledigt wurde.

Die positiven Effekte aus dem Zusammenschluss übertünchten die Probleme im Konzern. Dabei leidet Tui insbesondere unter dem Terror in Nordafrika. In Ägypten gebe es lediglich eine Auslastung von 40 Prozent, hieß es. Tunesien belastete Tui – inklusive Rückstellungen für das soeben begonnene Geschäftsjahr – mit 52 Millionen Euro. Und auch für die Türkei erwartet der Konzern eine Buchungszurückhaltung. Hier sind die Hannoveraner nicht allein. Auch andere deutsche Reiseveranstalter berichten derzeit von einer Buchungsflaute – insbesondere für das östliche Mittelmeer samt Griechenland. „Wir rechnen diese Jahr mit einem starken Preisverfall vor allem in der Türkei“, heißt es bei einem Tui-Wettbewerber.

Zudem drücken Tui konzerninterne Probleme. Durch den Börsengang der Containerreederei Hapag-Lloyd, die immer noch zu 12,3 Prozent im Besitz des Reiseveranstalters ist, mussten 147 Millionen Euro Buchwert abgeschrieben werden. Die verbliebenen 14,5 Millionen Aktien, die einst mit jeweils 48 Euro bewertet wurden, kann Tui nur noch zum Stückpreis von 23 Euro in der Bilanz aktivieren. Immerhin: Der Börsengang von vor vier Wochen erlaubt es nun, nach einer halbjährlichen Haltefrist die Papiere auf den Markt zu werfen und das schwierige Kapitel Containerseefahrt zu beenden.

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