Uber, Allygator und Co.

Geschäftsmodell Gesetzesbruch

Billig-Fahrdienste ecken in Deutschland juristisch immer wieder an. Ein Problem für die gesetzestreuen Deutschen? Ganz im Gegenteil – zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Universität Hohenheim.
  • Christoph Seyerlein
Gerade im Mobilitätssektor drängen neue Dienstleister mit rechtlich umstrittenen Methoden auf den Markt. Quelle: Reuters
Vorreiter Uber

Gerade im Mobilitätssektor drängen neue Dienstleister mit rechtlich umstrittenen Methoden auf den Markt.

(Foto: Reuters)

DüsseldorfSeit jeher haben verbotene Dinge eine gewisse Anziehung auf Menschen. Ein heimlicher Griff in die Keksdose, ein Blick in die Prüfung des Nachbarn oder – wenn selbst das nicht geholfen hat – eine gefälschte Unterschrift der Eltern unter der verbockten Prüfung– der Reiz des Verbotenen ist selbst gesetzestreuen Menschen nicht fremd. Doch wer mit rechtlich nicht astreinen Angeboten Geld verdienen will, hat bei den allgemein sehr gesetzestreuen Deutschen einen schweren Stand, oder?

Im Gegenteil, sagen Forscher der Universität Hohenheim. Viel mehr mache anarchisches Verhalten neue Unternehmen auf dem Markt, beispielsweise Billig-Fahrdienste, erst so richtig attraktiv. Ein Student hatte im Rahmen seiner Masterarbeit ein Online-Experiment durchgeführt. Er legte insgesamt 650 Probanden, von denen 334 die Befragung abschlossen, ein fiktives Szenario vor: Das Unternehmen „Driver4U“ vermittelt via Smartphone Fahrgäste an Privatpersonen, die sich als Chauffeure anbieten – zu weit günstigeren Preisen als die üblichen Taxi-Tarife. Etablierte Taxi-Unternehmen reichen daraufhin Klage gegen Driver4U ein, ein Gericht verbietet den Dienst kurz darauf.

Für den weiteren Verlauf des Experiments teilte der Student seine Teilnehmer in verschiedene Gruppen auf. Einer Gruppe erzählte der Autor, dass sich das Unternehmen reumütig zeigte und ankündigte, künftig die ortsüblichen Taxitarife zu verlangen. Die andere Teilnehmergruppe bekam die Information, dass trotz oder gerade wegen des Urteils die Neuanmeldungen in die Höhe geschnellt wären und die Fahrer trotz des Verbots weiter auf den Straßen blieben.

In diesen Großstädten ist Taxifahren am teuersten
Platz 10: Hannover
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In rund 80 Prozent der deutschen Tarifgebiete hat die Einführung des Mindestlohns zu einer Erhöhung der Taxigebühren geführt. Nicht nur die Grundgebühr, sondern auch die Kilometerpreise sind angestiegen. Das ergibt eine aktuelle Untersuchung der Taxi-Bestell-App mytaxi, die einen Überblick über die zehn teuersten Taxi-Städte gibt. Gelistet wird nach dem Preis für eine durchschnittliche Fahrt durch die Innenstadt von sechs Kilometern Länge. Auf Platz zehn landet Hannover, die Hauptstadt Niedersachsens. Die Grundgebühr für eine Taxifahrt beträgt hier 3,20 Euro. Pro Kilometer zahlen Fahrgäste noch einmal 1,90 drauf. Damit liegen die Kosten für sechs Kilometer bei 14,60 Euro.

Quelle: mytaxi

Platz 9: Dresden
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In Dresden ist die Fahrt mit einem Taxi minimal teurer: Für eine Strecke von sechs Kilometern müssen Fahrgäste insgesamt 14,70 Euro zahlen, um auf öffentliche Verkehrsmittel oder die Fahrt mit einem eigenen Pkw verzichten zu können. Der Kilometerpreis liegt hier bei 1,80 Euro, die Grundgebühr beträgt 3,90.

Platz 8: Köln
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Auch in der Rheinmetropole hat die Fahrt mit dem Taxi seinen Preis: Um sechs Kilometer nach Hause kutschiert zu werden, müssen die Kölner 14,90 Euro springen lassen. Der Tarif ergibt sich aus einer Grundgebühr von 3,50 Euro und einem Preis von 1,90 Euro pro Kilometer.

Platz 7: Frankfurt
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Unter 15,50 Euro kommen Taxi-Fahrgäste bei einer Strecke von sechs Kilometern in Frankfurt nicht weg. Zwei Euro pro Kilometer und eine Grundgebühr von 3,50 Euro sind hier pro Fahrt zu entrichten.

Platz 6: Hamburg
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2,10 pro Kilometer zahlen Kunden für eine Taxifahrt in Hamburg. Hinzu kommt eine Grundgebühr von 3,20 Euro. Das ergibt einen Gesamttarif von 15,80 Euro für sechs Kilometer und Rang sechs im Ranking.

Platz 5: Berlin
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Noch etwas mehr – nämlich 15,90 Euro – muss man in Berlin in die Hand nehmen, um sechs Kilometer mit dem Taxi gefahren zu werden. Der Kilometerpreis beträgt hier zwar nur zwei Euro, die Grundgebühr liegt dafür aber schon bei 3,90 Euro. Damit ist die Hauptstadt die fünftteuerste Taxistadt Deutschlands.

Platz 4: Essen
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Wer gedacht hat, im Ruhrgebiet sei Taxifahren vergleichsweise günstig, liegt falsch. Das zumindest zeigen die Tarife in Essen, die bei insgesamt 16 Euro inklusive der Grundgebühr von vier Euro liegen. Pro Kilometer zahlen Fahrgäste zwei Euro. Ganz in der Spitzengruppe fehlen jedoch sonst recht teure Städte wie Stuttgart und München – beide liegen im Taxi-Ranking außerhalb der Top Ten.

Auch zu den Gründen für das Urteil erhielten die Probanden unterschiedliche Aussagen. Die eine Variante besagte, dass das Verbot mit einer historischen Reichsverordnung von 1941 begründet worden wäre, die unter anderem die maximale Wochenarbeitszeit von Chauffeuren begrenze. Diese Argumentation missachtete Driver4U. Annahme zwei war dagegen, dass das Urteil auf einem Gesetz fußte, das Geringverdienern wie Taxifahrern eine Existenzgrundlage schaffen soll. Dazu zählt die Zusicherung eines gesetzlichen Mindestlohns. In diesem Fall folgte Driver4U dem Gerichtsbeschluss.

Daraufhin erhielten alle Studienteilnehmer einen Fragebogen. Die Auswertung brachte beachtliche Ergebnisse: Im Fall des anarchischen Unternehmensverhaltens waren die Probanden eher bereit, das Angebot zu nutzen als im Fall des rechtskonformen Verhaltens. „Dieser Effekt wird noch verstärkt, wenn die übertretene Rechtsvorschrift als illegitim anzusehen ist“, so Professorin Marion Büttgen, die die Abschlussarbeit betreute.

„Anarchisch agierende Unternehmen gelten als rebellisch“
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