Unister

Kein Käufer in Sicht

Der Leipziger Portalanbieter Unister tut sich schwer mit dem Verkauf seines Touristikgeschäfts. Viele einstige Interessenten winken nach einem Blick in die Bücher ab. Nun werden auch Finanzierungsalternativen geprüft.
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Der letzte öffentlich zugängliche Konzern-Geschäftsbericht stammt aus dem Jahr 2011. Quelle: dapd
Unister

Der letzte öffentlich zugängliche Konzern-Geschäftsbericht stammt aus dem Jahr 2011.

(Foto: dapd)

DüsseldorfDer Vorwurf hätte giftiger kaum klingen können. Daniel Kirchhof, Finanzexperte der Unister-Holding, habe „mehrfach seine Pflichten als Mitglied des Aufsichtsrats verletzt, was seine vorzeitige Abberufung zur Abwendung etwaiger weiterer Nachteile für die Gesellschaft erforderlich macht“, verkündete eine Adhoc-Meldung der Konzerntochter Travel24.

Dabei hatte sich der Mitbegründer des Leipziger Portalanbieters Unister („Ab-in-den-Urlaub.de“, „Fluege.de“, „Partnersuche.de“) vor allem durch eines unbeliebt gemacht: den Verkauf seines auf 17 Prozent geschätzten Firmenanteils. Kirchhof ist längst nicht der einzige Flüchtling. Auch Geschäftsführer Peter Zimmermann, vor zwei Jahren erst aus der Thüringer Staatskanzlei eingewechselt, kehrte neulich der Internetfirma ebenfalls den Rücken.

Dass viele das Haus verlassen und die Nerven bei Unister-Gründer Thomas Wagner blank liegen, hat einen leicht nachvollziehbaren Grund. Der drängende Verkauf seines Touristikgeschäfts, das er vorsorglich in die Untergesellschaft Unister Travel ausgegliedert hat, droht zu scheitern.

Die 700 bis 900 Millionen Euro, die Wagner angeblich für seine Reiseportale fordert, scheinen dringend notwendig. 27,7 Millionen Euro Fehlbetrag klafften 2013 in der geheim gehaltenen Bilanz, zudem beendete Unister das Geschäftsjahr mit einer Überschuldung. Lieferanten klagen über einen schleppenden Zahlungseingang, was ein Unister-Sprecher dementiert. Auch die Überschuldung sei kein Problem, sagte Wagner dem Handelsblatt. „Wir besitzen erhebliche stille Reserven.“ Glauben muss man das nicht.

Einstmals interessierte Finanzinvestoren, darunter EQT und KKR, brachen die Gespräche nach einem Blick in die Bücher ab. An vielen Stellen in der Bilanz gebe es Abschreibungsbedarf, erzählt einer von ihnen.

Auch unter strategischen Käufern ist der Wunsch nach einem Einstieg bei Unister erloschen. Wettbewerber Expedia, erfuhr das Handelsblatt, hat nach ersten Sondierungsgesprächen in Leipzig sein Interesse an einem möglichen Zukauf zurückgesellt. „Unister ist ein schwer zu fassendes Unternehmen“, sagte ein ranghoher Manager. „Der Verkauf wird für die Geschäftsführung nicht einfach.“

Ein Teil der Erlöse stammt aus Taschen der Steuerzahler
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