Unternehmensberater im Interview
„Wir fliegen niemals erster Klasse“

Kunden von Unternehmensberatern sind kritischer und sparsamer. Die Konkurrenz in der Branche wächst. Daher braucht es einen neuen Berater-Typ, meint Christian Gorny von BDO. Ein Wettlauf um kompetente Kandidaten beginnt.
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Handelsblatt: Herr Gorny, kennen Sie folgendes Klischee über Unternehmensberater: „Die tauchen immer in Scharen in einem Unternehmen auf, stellen ein paar Wochen lang alles auf den Kopf und benennen am Ende Probleme, die ohnehin schon alle im Betrieb kennen“?

Christian Gorny: Das funktioniert heute nicht mehr. Eine Unternehmensberatung, die so agiert, wird am Markt nicht erfolgreich sein. Bei vielen großen Konzernen sind ehemalige Berater in führenden Positionen tätig. Die wissen genau, wie das Geschäft läuft und wie sie so einem Verhalten den Riegel vorschieben müssen. Der Ansatz, in großen Gruppen mit überwiegend unerfahrenen Beratern anzurücken, kann heute nicht mehr erfolgreich sein.

Wenn immer mehr ehemalige Berater bei den Konzernen arbeiten, werden dann externe Unternehmensberatungen überflüssig?

Nein, das werden sie nicht. Es gibt immer wieder Gründe für Unternehmen, das Know-how und die Ressourcen von Beratern einzuholen. Aber sicherlich steht die Branche vor erheblichen Herausforderungen.  Viele Universitätsabsolventen sehen die Beratung als ersten Karriereschritt nach dem Studium. Später suchen sie dann den Wechsel in die Industrie oder in andere Bereiche. Damit wandert viel Know-how, was früher die Unternehmensberatung ausmachte, zu unseren Kunden.

Welche weiteren Herausforderungen gibt es?

Die vergangenen zwölf Monate haben gezeigt, dass breit aufgestellte, aber in der Summe zu kleine Beratungseinheiten vom Markt verschwinden. Die Internationalisierung der Kunden verlangt zudem, dass auch die Unternehmensberatungen global präsent sind. Der Konsolidierungsdruck in der Branche ist hoch.

Wie reagieren Sie darauf?

Der Trend geht zu einer stärkeren Spezialisierung. Die großen Unternehmensberatungen wie wir stellen sich breiter auf, gehen aber auch in die Tiefe. So bieten wir thematisch wie auch räumlich gesehen eine flächendeckende Beratung. Kleinere Anbieter wiederum begrenzen sich auf enge Nischen und bieten hier ausgewiesene Expertise an. Die Mandanten fragen immer häufiger nach Unterstützung in Spezialbereichen.

Nennen Sie bitte Beispiele.

Das kann Beratung sein, die gesetzlich neu geschaffene Themen betrifft wie Compliance und Governance...

… also alles, was unter das Schlagwort gute Unternehmensführung fällt.

Genau. Beispielsweise geht es um die Frage, wie ein Unternehmen Interessenkonflikte vermeiden oder Korruption vorbeugen und dies laufend kontrollieren kann. Aber Mandanten fragen auch in betriebswirtschaftlichen Feldern um Rat, etwa wie sie ihren Einkauf optimieren oder bestimmte Prozesse im Berichtswesen einführen und anpassen können.

Geht es dabei immer noch um generelle Fragen der Unternehmensführung, oder erteilen Sie zunehmend auch fachlichen, branchenspezifischen Rat?

Es handelt sich nach wie vor um die klassischen Tätigkeiten eines Unternehmensberaters. Aber innerhalb des breiten Spektrums werden zunehmend Spezialkenntnisse gefragt. Damit eignen sich auch die Berater zunehmend sowohl eine fachliche, als auch eine branchenbezogene Expertise an.

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