Unternehmer Wöhrl

500 Millionen Euro für Air Berlin geboten

Wöhrl will für die insolvente Air Berlin bis zu einer halben Milliarde Euro zahlen. Ein entsprechendes Angebot habe er an den Sachwalter gefaxt, hieß es. Mitbieter wie Lufthansa, Condor und Tui seien informiert.
Update: 11.09.2017 - 14:17 Uhr 2 Kommentare
Hat sein Angebot für Air Berlin abgegeben: Der Nürnberger Unternehmer bietet eine halbe Milliarde Euro. Quelle: dpa
Hans Rudolf Wöhrl

Hat sein Angebot für Air Berlin abgegeben: Der Nürnberger Unternehmer bietet eine halbe Milliarde Euro.

(Foto: dpa)

BerlinDer Nürnberger Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl bietet bis zu 500 Millionen Euro für die insolvente Fluggesellschaft Air Berlin. Das entsprechende Übernahmeangebot sei am Sonntag bei Air-Berlin-Sachverwalter Lucas Flöther per Fax eingereicht worden, teilte Wöhrls Firma Intro mit. Eine erste Tranche belaufe sich auf 50 Millionen Euro und würde am Übergabetag fällig. Sie sei von Investoren sowie seiner Intro-Gruppe aufgebracht worden und per Bankbestätigung nachgewiesen. Die weiteren Raten seien ergebnisabhängig und könnten bis zu 450 Millionen Euro betragen. Im Falle eines Weiterverkaufs bekämen die Mitarbeiter von Air Berlin eine Gewinnbeteiligung von bis zu 100 Millionen Euro.

Lufthansa, Condor, Tui, Germania und Nikki Lauda seien zudem darüber informiert worden, sich an dem Angebot beteiligen zu können, hieß es. Komme es aber zu keiner Beteiligung anderer Luftfahrtunternehmen, sei die Intro-Gruppe in der Lage, die Sanierung von Air Berlin „auch alleine zu wagen.“

Wer im Airline-Poker mit am Tisch sitzt
Folgenreicher Insolvenzantrag
1 von 17

Der Insolvenzantrag der Air Berlin zog eine Welle von Interessensbekundungen nach sich. Von Anfang an zeichnete sich ab, dass die Fluggesellschaft wohl von mehreren Konkurrenten übernommen wird. Neben zahlreichen Interessenten sind auch weitere Akteure in die Verhandlungen verwickelt: Nicht nur Experten des Insolvenzrechts, auch die Bundesregierung wirkt zumindest indirekt mit. Derweil konkretisieren die Interessenten ihre Wünsche.

Neu im Rennen
2 von 17

Der frühere Formel 1 Champion Niki Lauda interessiert sich nun auch offenbar für Air Berlin. Der Ex-Rennfahrer will knapp 40 Maschinen der insolventen Airline und ihrer Tochter Niki übernehmen. Dafür will er zusammenarbeiten mit ...

Thomas Cook und Condor
3 von 17

... dem Reiseveranstalter Thomas Cook und der Tochter Condor. Geht der Plan auf, erhält Niki Lauda 51 Prozent des Konsortiums. Er will dann ausschließlich touristische Ziele anfliegen. Für Fluggäste soll dabei Thomas Cook sorgen.

Aktionär zieht sich zurück – mit weitreichenden Folgen
4 von 17

Seit 2012 ist Großaktionär der Staatskonzern aus Abu Dhabi mit einem Anteil von 29,2 Prozent an Air Berlin beteiligt. Wenige Tage, nachdem Etihad die Unterstützung entzogen hatte, sah sich Air Berlin zur Insolvenzanmeldung gezwungen. Dennoch widerspricht Etihad dem Eindruck, Air Berlin im Stich gelassen zu haben: Noch im April seien 250 Millionen Euro zur Verfügung gestellt worden. Diese Unterstützung habe man aber angesichts der „sich rapide verschlechternden Geschäftsergebnisse und Liquidität“ nicht weiter leisten wollen. Ein Großteil der 1,5 Milliarden Schulden dürfte wohl ohnehin am großen Partner hängenblieben.

Lufthansa dominiert die Verhandlungen
5 von 17

In der nun eröffneten Bieterschlacht ist die Lufthansa ganz vorn dabei. Die Verhandlungen mit dem deutschen Marktführer, der die Übernahme schon seit Monaten vorantreibt, sollen am Freitag beginnen. Schon im Januar war dem umsatzstärksten europäischen Luftverkehrskonzern ein Teilerfolg gelungen: Damals wurden die Anmietung und faktische Übernahme von 38 Mittelstrecken-Maschinen genehmigt, was rund einem Viertel der Air-Berlin-Flotte entspricht.

Carsten Spohr
6 von 17

Mindestens ein weiteres Viertel will der Lufthansa-Chef nun für seine Billigflieger-Gruppe Eurowings sichern. Diese sucht ohnehin zusätzliche Maschinen und Slots für die Mittel- und die Langstrecke. In Wirklichkeit verfolgt Spohr aber ein übergeordnetes Ziel: Den Billigflieger Ryanair von den größeren deutschen Flughäfen so weit wie möglich fernzuhalten. Um den Wettbewerb hochzuhalten, nimmt er dafür sogar größere Marktanteile anderer Anbieter in Kauf.

Die Konkurrenz
7 von 17

Daher steht die Lufthansa ihren Konkurrenten auch nicht im Weg. Gespräche mit Easyjet und Tuifly sind nach Angaben von Air Berlin ebenfalls geplant. Auch der Reiseveranstalter Thomas Cook mit seiner Ferienflugtochter Condor interessiere sich an einer „aktiven Beteiligung an der Zukunft von Air Berlin“. Thomas-Cook-Feriengäste kommen ohnehin schon zu großen Teilen mit Air Berlin an ihr Ferienziel.

Wöhrl trat Berichten entgegen, wonach er sich aus dem Rennen um Air Berlin zurückgezogen habe oder nur einen Euro bieten wolle. Er wolle Air Berlin als Ganzes erhalten, bekräftigte der Unternehmer auf seiner Facebook-Seite. „Nein, wir wollen kein Schnäppchen, wir wollen keinen 1,00-Euro-Deal – (obwohl eine zerschlagene Airline wohl nicht mehr wert wäre?)“, schrieb er.

Für die insolvente Fluggesellschaft schwebt Wöhrl ab 1. November ein Betrieb unter eigenem Namen mit wichtigen innerdeutschen Verbindungen sowie einem Angebot von Berlin und Düsseldorf aus vor. Die übrigen Flugzeuge sollen samt Besatzung und Wartung an die Partner oder andere Airlines verchartert werden. „Damit wäre ein weitgehend nahtloser Übergang möglich, denn Air Berlin bliebe eine handlungsfähige Airline mit Technik und Verwaltung“, hieß es in einer Mitteilung Wöhrls.

Ein Sprecher von Air Berlin bestätigte am Montag den Eingang von Wöhrls Schreiben. Es werde nun geprüft. Wöhrl selbst wollte nicht über die Erfolgsaussichten seiner Offerte spekulieren. „Die Chancen können wir nicht abschätzen“, teilte er über eine Sprecherin mit.

Die verlustreiche Air Berlin hatte Mitte August Insolvenz angemeldet, nachdem ihre arabische Großaktionärin Etihad die Zahlungen an die Berliner eingestellt hatte. Noch bis zum 15. September können Kaufangebote für die Fluggesellschaft abgegeben werden.

Die Airline gab zudem bekannt, ihr Karibik-Flugprogramm ab Düsseldorf zum 24. September einzustellen. Flüge auf die Niederländischen Antillen, nach Cancún in Mexiko, Havanna und Varadero in Kuba sowie in die Dominikanische Republik entfielen damit. Hintergrund sei die im Insolvenzverfahren nötige Reduzierung der Langstreckenflotte.

  • rtr
Startseite

Mehr zu: Unternehmer Wöhrl - 500 Millionen Euro für Air Berlin geboten

2 Kommentare zu "Unternehmer Wöhrl : 500 Millionen Euro für Air Berlin geboten"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Hat er sein Angebot um 100% erhöht ? Von zuletzt " 1" auf " 2" EURO ?

  • "bis zu eine halbe Milliarde Euro" - auch 3 Cent würden da infrage kommen. Wöhrl ist immer für einen guten Scherz zu haben.... hatte er sich nicht kürzlich aus dem Bieterverfahren zurückgezogen?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%