US-Kreditkarten-Anbieter
Visa will nach Europa zurück

Visa Europe gehört mehr als 4000 europäischen Mitgliedsbanken. Der Mutterkonzern hätte den Europa-Ableger gern zurück, Übernahmekosten von 20 Milliarden Dollar stehen im Raum. Der Ausgang der Gespräche ist völlig offen.
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FrankfurtDer US-Kreditkartenriese Visa will das Europa-Geschäft wieder in den Konzern integrieren. Das Management der börsennotierten Visa Inc bestätigte erstmals Gespräche mit Visa Europe, die mehr als 4000 angeschlossenen Banken in Europa gehört. Die Geldhäuser aus 37 Ländern, allein 1500 aus Deutschland, waren ausgeschert, als Visa 2008 an die New Yorker Börse gebracht wurde, und hatten Visa Europe auf eigenen Wunsch behalten. Beide Organisationen verbindet seither nur ein unbefristeter Lizenzvertrag. Die Übernahme könnte nach einem Bericht der Agentur Bloomberg vom Mai bis zu 20 Milliarden Dollar kosten.

Visa Inc will die Gespräche bis Oktober abschließen. Visa Europe gab sich am Freitag aber betont zurückhaltend. Zurzeit sei völlig unklar, wie die Verhandlungen ausgingen. „Visa Europe konzentriert sich weiter auf die Entwicklung seines Geschäfts“, erklärte das Unternehmen, das sich als nicht gewinnorientiert versteht.

Die Geschäftszahlen sähen aber gut aus. 2012/13 (per Ende September) hatte Visa Europe 172 Millionen Euro Gewinn ausgewiesen, neuere Zahlen liegen nicht vor. Visa Inc hat eine Kaufoption für Visa Europe, deren Eigentümer haben eine Verkaufsoption.

Visa Europe arbeite weiter daran, dass der Anteil der Barzahlungen sinke, der in Europa immer noch bei 70 Prozent liege, hieß es in der Erklärung. Um Marktanteile zu gewinnen, setzt Visa in Europa unter dem Namen „VPay“ auch auf die hier populären Bankkarten. Im Geschäftsjahr 2013/14 wurden mit mehr als 500 Millionen Visa-Karten in Europa mehr als zwei Billionen Euro ausgegeben - das sei jeder sechste Euro, den Verbraucher in Europa bezahlten.

Visa Inc verspreche sich von der Integration zusätzliches Wachstumspotenzial vor allem in Osteuropa, sagte KBW-Analyst Sanjay Sakhrani. Beim Erzrivalen Mastercard macht Europa mehr als ein Viertel des Kartenumsatzes aus. Bei Visa stammt mehr als die Hälfte aus dem Heimatmarkt USA.

Dank der dort anziehenden Konjunktur steigerte der Konzern seinen Umsatz im abgelaufenen Quartal um 11,5 Prozent auf 3,52 Milliarden Dollar. Der Nettogewinn kletterte um ein Viertel auf 1,7 Milliarden Dollar. Beide lagen über den Markterwartungen. Die Visa-Aktie schoss nachbörslich um bis zu 7,5 Prozent nach oben.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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