Verbraucherschützer zu Vergleichsportalen
„Speziell Verivox verhandelt knallhart“

Udo Sieverding beobachtet seit Jahren den Markt für Billigstrom – und die Vergleichsportale. Der Preisvergleich des Marktführers Verivox ist für den Energieexperten der Verbraucherzentrale NRW Fluch und Segen zugleich.
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Herr Sieverding, sind Sie als Verbraucherschützer froh, dass es Vergleichsportale für Energiepreise wie Verivox gibt?
Grundsätzlich ja. Der Wettbewerb auf dem Energiemarkt wäre ohne die Portale wohl nicht in dem Maße in Schwung gekommen, wie wir ihn derzeit erleben. Die Portale sind für die Verbraucher die einzige Möglichkeit, einen Überblick über die Vielfalt an Tarifen zu behalten. Jeder Haushalt kann immerhin aus rund 150 Angeboten bei Strom und 80 bei Gas wählen. Aber es gibt natürlich auch Probleme.

Inwiefern?
Man darf nicht vergessen, dass die Portale das ja nicht ohne Eigennutz machen, sondern einen Gewinn erwirtschaften wollen. Natürlich haben die Portale die Möglichkeit, die Kunden zu Tarifen von Partnern zu lotsen, mit denen sie hohe Provisionen vereinbart haben.

Welche?
Das funktioniert über die Voreinstellungen bei den Auswahlkriterien, die man deshalb bei jeder Nutzung erst genau an die eigenen Wünsche anpassen sollte. Außerdem gibt es seit einiger Zeit die so genannten Position-Null-Angebote.

Was ist das denn?
Wenn Sie bei Check24 und Verivox einen Tarif suchen, steht über der eigentlichen Ergebnisliste das Angebot eines Unternehmens, das nicht das günstigste ist, das für diese Positionierung aber bezahlt hat. Da steht inzwischen zwar „Anzeige“ darüber, für den Verbraucher ist das aber nicht so leicht zu unterscheiden. Da fallen nach unserer Erfahrung viele darauf herein.

Stromanbieter klagen über die große Marktmacht der Portale. Können Sie die Kritik verstehen?
Natürlich kommen die Versorger im Online-Geschäft nicht an den Portalen vorbei – und die lassen sich das entsprechend bezahlen. Und was man hört, verhandelt speziell Verivox knallhart.

Wäre denn eine stärkere Regulierung wünschenswert?
In Österreich gibt es ein staatliches Portal. Das ist natürlich objektiver. Allerdings ist der Markt auch viel übersichtlicher. Und ich habe schon großen Respekt vor den Datenbanken, die die deutschen Portale aufgebaut haben.Die haben schon eine hohe Qualität.

Sind die Portale denn mehr Fluch als Segen für den Verbraucher?
Es ist von beidem etwas. Durch die Portale hat sich ein begrüßenswerter Preiskampf entwickelt. Doch nun locken zahlreiche Unternehmen im ersten Jahr mit hohen Boni– und versuchen dann mit Preiserhöhungen, diese Ausgaben wieder wett zu machen. Das ist für „Preishopper“, die jedes Jahr wechseln, gut. Wer aber nur einmal wechseln und danach seine Ruhe haben will, muss gut aufpassen, dass er im Nachhinein nicht doch drauf zahlt.
Herr Sieverding, vielen Dank für das Interview.

Kommentare zu " Verbraucherschützer zu Vergleichsportalen: „Speziell Verivox verhandelt knallhart“"

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  • Falsch, mehrheitlich zahlen wir für Energieutopia, wie Herr Baer schon richtig bemerkte

  • Wenn man sich überlegt, dass die Deutschen die höchsten Strompreise in Europa zahlen und Angelina die Große über Nacht Atomkraftwerke abschalten lässt und der Steuerzahler, der größte Geschädigte in ganz Europa, jetzt vielleicht Hunderte Milliarden Schadenersatz leisten muß, kann man zu dem Schluß kommen, dass unsere Politiker nicht mehr alle Tassen im Schrank haben.
    In Frankreich kostet Strom ca. 15c/KW/h, in Bulgarien 8 c und der deutsche Depp wird mit 25 bis 30 Cent im wahrsten Sinne des Wortes über den Tisch gezogen.
    Und dann haben wir die provisionsgeile Verivox, die aufgrung meiner persönlichen leidvollen Erfahrung teilweise mit sehr, sehr unseriösen Anbietern zusammenarbeitet.
    Ich schaue mir die Vergleiche an, buche aber nie mehr über Verivox.

  • früher gab es die Stadtwerke. Die durften keine Gewinne machen.
    Dann war man der Meinung man müsse das privatisieren, weil Strom und Gas selbstverständlich preiswerter werden wenn eine private Firma Gewinne macht. Nachdem Strom und Gas dadurch nicht billiger wurden sorgte man künstlich für Wettbewerb. Wettbewerb bedeutet das Werbung gemacht werden muss.

    Nun zahlt der Verbraucher für Strom und Gas, den Gewinn der Privatfirmen und die Werbung.

    Nein, billiger wurde es dadurch nicht, aber mancher Verbrauche hatte zudem noch das Glück Geld eine einen Pleitier gezahlt zu haben und somit Strom und Gas zweimal zahlen zu dürfen.

    Schöne neue Welt!

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