Verdacht der Steuerhinterziehung
Unister-Manager ab heute vor Gericht

Vor über vier Jahren rückten Fahnder zur großen Razzia bei Unister an. Es ging um den Verdacht der Steuerhinterziehung. Heute beginnt der Prozess gegen drei Ex-Manager des insolventen Internetunternehmens.
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LeipzigGut vier Jahre ist es inzwischen her, dass Fahnder des sächsischen Landeskriminalamtes die Unister-Geschäftsräume in Leipzig durchsuchten. Drei Manager kamen wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung vorübergehend in U-Haft. Seitdem ist viel passiert: Das einstige Internet-Imperium geriet ins Trudeln. Der Gründer Thomas Wagner (38) starb im Juli 2016 bei einem Flugzeugabsturz in Slowenien.

Unmittelbar danach meldete Unister Insolvenz an. Der Verdacht der Steuerhinterziehung und der illegalen Geschäftemacherei blieb während der Zeit immer bestehen. Erst jetzt, an diesem Mittwoch, beginnt am Landgericht Leipzig ein Strafprozess.

Angeklagt sind drei ehemalige Unister-Führungskräfte. Die Generalstaatsanwaltschaft Dresden wirft den 39, 51 und 59 Jahre alten Männern Steuerhinterziehung und Computerbetrug vor. Mehr als 87.000 Kunden der Unister-Flugportale wie fluege.de seien Preisvorteile bei der Buchung vorenthalten worden. Den Schaden bezifferten die Ermittler nach Angaben des Gerichts auf mehr als 7,6 Millionen Euro. Zudem sollen bei Unister jahrelang sogenannte Serviceentgelte nicht korrekt versteuert worden sein. Das Unternehmen hatte die Vorwürfe stets zurückgewiesen.

Die Wirtschaftsstrafkammer hat für den Prozess 18 Verhandlungstage bis Juni angesetzt. Offensichtlich stellen sich die Richter auf eine langwierige Beweisaufnahme ein. Der Tod Wagners belastet auch den Strafprozess. Auch gegen ihn war ermittelt worden, er galt als die zentrale Figur bei Unister. Die Richter werden daher genau klären müssen, wer bei Unister welche Entscheidungen getroffen hat und was die Angeklagten wussten.

Unabhängig von dem Prozess ist die Justiz mit weiteren Ermittlungen rund um Unister beschäftigt. Die Generalstaatsanwaltschaft Dresden versucht, einen mysteriösen Betrug aufzuklären, dem Wagner vor seinem Tod zum Opfer fiel. Er hatte in Venedig einem angeblichen israelischen Diamantenhändler 1,5 Millionen Euro übergeben. Im Gegenzug hoffte er auf 15 Millionen Euro Kredit für sein klammes Unternehmen, bekam aber Falschgeld angedreht. Auf der Rückreise aus Venedig stürzte sein Kleinflugzeug ab. Gegen einen 69 Jahre alten mutmaßlichen Vermittler dieses „Rip-Deals“ ist inzwischen Anklage erhoben worden.

Unterdessen ist die Zukunft der Unister-Reisesparte geklärt. Kurz vor Weihnachten teilte der Insolvenzverwalter Lucas Flöther mit, dass der tschechische Investor Rockaway Capital SE das Travelgeschäft übernimmt. Alle 520 Arbeitsplätze sollen erhalten bleiben. Nun steht noch das sogenannte Non-Travel-Geschäft von Unister zum Verkauf. Nach Angaben des Insolvenzverwalters hatte das gesamte Unternehmen zuletzt noch rund 800 Mitarbeiter.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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