Wallraff unter Türstehern
„Jetzt werde ich ein bisschen pampig“

Die „Undercover Reporter“ von Günter Wallraff haben das vorerst letzte Mal zugeschlagen: Diesmal traf es das Sicherheitsgewerbe. Statt gewohnt breitspurig aufzutreten, drückt das Team diesmal eher auf die Tränendrüse.
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DüsseldorfVerpixelte Gesichter, verzerrte Stimmen: Investigativ-Altmeister Günter Wallraff interviewt Informanten. „Man lässt sich beschimpfen, bespucken – und man ist doch weniger Wert als Hartz IV“, sagt eine weibliche Sicherheitskraft aus einem Frankfurter Jobcenter. Die Sicherheitskräfte der Arbeitsagentur sind selbst Kunden der Arbeitsagentur, so lautet die Botschaft. Wallraff, die Sozialkritik selbst, kommentiert: „Da sind Opfer mit Opfern zusammen.“

Zum vorerst letzten Mal waren die „Undercover Reporter“ von RTL gestern unterwegs. Die dreiteilige Reihe geht mit der Episode vorerst zu Ende. Anders als bei den vorangegangenen Folgen, wo die Enthüllungsjournalisten meist anklagend den Finger hoben, schien das Team diesmal eher auf Mitleid aus zu sein. Mitleid mit den Niedriglöhnern im Sicherheitsgewerbe, die von bösen Chefs schikaniert werden und ohne richtige Ausbildung Leben und Gesundheit aufs Spiel setzen müssen.

Zu Beginn ist der Zuschauer zu Gast in einer Redaktionssitzung des Reporterteams. Wallraff sitzt vor Kopf und erklärt: „Ich habe über die Zustände im Sicherheitsgewerbe mehrfach Zuschriften bekommen.“ Grund genug für Vollblut-Journalisten Wallraff, seine Zöglinge auf die nächste Undercover-Mission einzuschwören.

Ein Testgelände für die investigativen Recherchen ist schnell ausgemacht: Es geht aufs Münchener Oktoberfest. Reporter Torsten Misler legt seine beige Flanelljacke ab und verwandelt sich mit längeren Haaren, Bart und Brille in einen Jobsuchenden als Sicherheitskraft. Er bewirbt sich ohne Vorerfahrungen auf einen Job als Türsteher an einem der Festzelte – und wird eingestellt.

Dass die Sicherheitskräfte häufig ohne Erfahrung oder Einweisung in ihren Job geschickt werden, gehört jenseits aller Privatfernsehens-Dramatisierung zu den tatsächlichen Missständen, die Wallraff und sein Team aufdecken. Ein kurzes Trainingsseminar, dann sind die angehenden Securities offiziell für ihren Job gerüstet. Mislers versteckte Kamera zeigt schlafende Kursteilnehmer und pöbelnde Langzeitarbeitslose – die den Kurs zum Schluss alle mit einem qualifizierenden Zeugnis verlassen.

Auf dem Oktoberfest schwankt die Darstellung dann zwischen Gewaltszenen in verpixelter Bild-Zeitungs-Optik und Mitleid für die Türsteher, die bei Zwölfstundenschichten und mieser Bezahlung doch gar nicht anders können, als hin und wieder mal auszurasten. Das hinterlässt einen schalen Nachgeschmack: Die Arbeitsbedingungen in der Branche sind sicherlich ungerechtfertigt und nicht in Ordnung. Dennoch erscheint übermäßiges Mitleid für prügelnde Sicherheitskräfte zumindest fragwürdig.

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„Jetzt werde ich ein bisschen pampig“

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Konspirative Treffen im Parkhaus

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  • Habe ich das richtig verstanden: man kann "einfach" einen Lehrgang als Sicherheitsfachkraft inklusive dreitägigen Waffenlehrgang machen und bekommt infolgedessen einen Waffenschein?!

  • "Das hinterlässt einen schalen Nachgeschmack: Die Arbeitsbedingungen in der Branche sind sicherlich ungerechtfertigt und nicht in Ordnung. Dennoch erscheint übermäßiges Mitleid für prügelnde Sicherheitskräfte zumindest fragwürdig."

    Meiner Meinung nach völlig richtig, allerdings wird mit einer ähnlichen Argumentation schon seit ewigen Zeiten zumindest fragwürdiges Verhalten von Polizeibeamten gerechtfertigt. Insofern frage ich mich, warum dieses Argument für - angeblich - gut ausgebildete Polizisten, aber nicht für praktisch völlig unausgebildete "Sicherheitskräfte" gelten sollte. Ich finde hier wird wie so oft mit zweierlei Maß gemessen.

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