Weltgrößte Werbeagentur WPP-Chef Sorrell erklärt nach Untreue-Vorwürfen seinen Rücktritt

Der Chef der weltgrößten Werbeagentur WPP, Martin Sorrell, nimmt nach einer internen Untersuchung mit sofortiger Wirkung seinen Hut. Für die Werbebranche ist dieser Wechsel das Ende einer Ära.
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Nimmt bei WPP seinen Hut. Quelle: AP
Martin Sorrell

Nimmt bei WPP seinen Hut.

(Foto: AP)

LondonDiesen abrupten Personalwechsel hat sich die Werbebranche nicht vorstellen können: Martin Sorrell, CEO des weltgrößten Werbekonzerns WPP, verlässt seinen Posten. Damit zieht der Brite die Konsequenzen aus Vorwürfen, er habe Firmeneigentum missbraucht und sich damit persönliches Fehlverhalten zu Schulden kommen lassen. Das teilte das börsennotierte Unternehmen am Samstagabend mit.

Interimsmäßig wird Chairman Roberto Quarta das Unternehmen, zu dem rund 200.000 Mitarbeiter gehören, führen. Solange, bis ein neuer Chef des britischen Werbekonzerns gefunden ist. Als Quartas kommissarische Stellvertreter wurden Mark Read und Andrew Scott ernannt.

Sorell erklärte: „Natürlich bin ich traurig, WPP nach 33 Jahren zu verlassen. Ich glaube jedoch, dass es im besten Interesse des Unternehmens ist, wenn ich jetzt zurücktrete.“

Über die konkreten Gründe schreiben sich sowohl das Unternehmen als auch der 73-jährige Sorrell aus. Neben der offiziellen Mitteilung von WPP hatte sich Sorrell in einem Schreiben auch an seine Mitarbeiter gewandt. In dem Schreiben von WPP heißt es, die Untersuchung gegen Sorrell wegen Fehlverhaltens sei abgeschlossen. Ein Ergebnis wurde nicht mitgeteilt. Sorrell wies die Vorwürfe stets zurück.

Sorell werde für den Übergang zur Verfügung stehen, erklärte WPP. In Übereinstimmung mit seinem Arbeitsvertrag werde „Sir Martin so behandelt, als sei er nach dem Ausscheiden aus dem WPP pensioniert worden.“

Für die Werbebranche ist dieser Wechsel das Ende einer Ära. Es gibt keinen festangestellten Top-Werber, der enger mit seinem Unternehmen verbunden ist als Sorrell. 1985 gründete er den Konzern mit der Übernahme des börsennotierten Einkaufswagenhersteller Wire & Plastic Products.

In den Folgejahren kaufte der frühere Finanzchef der Agentur Saatchi & Saatchi zahlreiche Agenturen hinzu, darunter Ogilvy, JWT, Y&R und Grey. Auch die Mediaagenturgruppe Group M ist ein Konstrukt Sorrells.

Heute sind unter dem Dach von WPP hunderte Werbeagenturen mit 130.000 Mitarbeitern in 112 Ländern organisiert. Der Konzern erzielt einen Umsatz von 17,4 Milliarden Euro. Damit ist es der größte Werbekonzern, vor Konkurrenten wie Omnicom aus den USA oder Publicis aus Frankreich.

Auch in Deutschland hat Sorrell in den vergangenen Jahren kräftig Unternehmen hinzugekauft. Erst im vergangenen Jahr wanderte die Hamburger Agentur Thjnk in sein Netzwerk. Einige Jahre zuvor hatte WPP bereits die Agentur Scholz & Friends gekauft.

Zuletzt hatte der Werbegigant allerdings Probleme. Der Aktienkurs fiel innerhalb eines Jahres um 35 Prozent. Der Werbekonzern kämpft mit der Verlagerung von Werbe-Budgets – weg von klassischen Agenturen, hin zu den Internetriesen Google und Facebook. Zudem hatten die Großkunden Unilever und Procter & Gamble zuletzt angekündigt, ihre Werbeausgaben zu senken.

Die Vorwürfe gegen Sorrell brachten das Unternehmen an der Börse zusätzlich unter Druck. Für Guy Jubb, Wirtschaftsprofessor an der Universität Edinburgh, ist der Fall beispielhaft für Konzerne mit als unantastbar geltenden Chefs. „Wieder einmal wird deutlich, dass es zu Problemen führt, wenn ein einzelnes Individuum zu viel Macht besitzt.“

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