Der Werber-Rat
Absurde Quotendiskussion

Es werden seltsame Debatten geführt. Wenn nicht mehr die Qualifikation zählt, sondern vor allem das Geschlecht, dann ist das eine neue Form von Diskriminierung.
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Es ist erstaunlich, wie unterirdisch manche gesellschafts- und wirtschaftspolitischen Diskussionen bei uns geführt werden. Wie unbekümmert und sorgenfrei dies geschieht. Die Krisen in der Ukraine und im Nordirak fordern uns heraus, die aktuellen Konjunkturdaten weisen nach unten – und in Berlin wird tagelang so lautstark über die Frauenquote gestritten, als ob die Zukunft des Landes, wenn nicht der gesamten Welt, davon abhinge.

Um es vorwegzunehmen: Ich bin grundsätzlich keine Befürworterin der Frauenquote. Solche starren Regelungen halte ich für kontraproduktiv – für Frauen, aber auch für Männer, die Führungspositionen innehaben oder übernehmen wollen. Wenn nicht mehr die Qualifikation zählt, sondern vor allem das Geschlecht, dann ist dies eine neue Form von Diskriminierung. Auch wenn die Motive ehrenwert sein sollten.

Was ich aber ebenfalls nicht befürworte: Stereotype Vorbehalte gegen die Frauenquote und maßlose Warnungen – wie vor wenigen Tagen geschehen, im Vorfeld des Frauengipfels bei Kanzlerin Angela Merkel. Mehrere Unionspolitiker machten mobil gegen die Quote, mit ziemlich sonderbaren Argumenten. Am weitesten wagte sich Michael Grosse-Brömer vor, Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Er sprach tatsächlich von einer „weiteren Belastung der Wirtschaft“ durch die Frauenquote.

Verstehe, wir Frauen belasten also die Wirtschaft, wenn wir vermehrt Führungsverantwortung übernehmen. Und in der Politik? Ob Grosse-Brömer dabei auch an seine Bundeskanzlerin gedacht hat oder die Unionsministerinnen Ursula von der Leyen und Johanna Wanka? Was für eine absurde, was für eine ideologisch aufgeladene Quotendiskussion. Allein schon, weil das Gerangel um die 30-Prozent-Frauenquote in Aufsichtsräten von großen Unternehmen eine simple Erkenntnis zu verschleiern droht: Management braucht Diversifikation. Management braucht gemischte Teams, und zwar auf allen Ebenen.

Weil die stete Rekrutierung und Förderung von kompetenten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern das Kernelement ist für eine nachhaltige strategische Unternehmensentwicklung. Und weil unsere global tätigen Unternehmen nur so ihren Erfolg absichern und ausbauen können.

Die Autorin:
Marianne Heiß ist Finanzchefin der Agentur BBDO Germany. Sie ist eine von sechs Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

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