Der Werber-Rat
Achtung, Plagiat!

Plagiatoren machen es sich denkbar einfach: keine eigene Idee haben, dafür ein gutes Original mehr oder weniger schlampig kopieren. Einblicke in das Wirken eines unambitionierten Nachahmers.
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Es wird ja überall vom Geschlechterkampf gesprochen und geschrieben. Sei es in den Vorstandsetagen. Im Wettbewerb um die besseren Jobs. In den Besprechungsräumen dieser Welt. In der Politik. Und in Ehebetten. Das mag alles sein. So oft bin ich in dieses vermeintliche Kriegsgeschehen gar nicht bewusst verwickelt. Aber es gibt eine Situation, da spüre ich es quasi am eigenen Leib. Beim Kampf um die Armlehne im Flugzeug. Besonders ausgeprägt, wenn man mal wieder zu spät eingecheckt und nur den Mittelplatz erwischt hat. Als Pendlerin zwischen Berlin und München sitze ich im Schnitt zweimal die Woche im Flieger. Wenn Kundentermine anstehen, noch öfter. Noch nie habe ich einen Zentimeter Armlehne abbekommen, wenn rechts und links von mir Männer saßen.

Diese wunderbare Abrechnung mit störrischen, männlichen Armlehnen-Eroberern erschien letzten Donnerstag, hier an dieser Stelle. Im Original verfasst von meiner Kolumnen-Kollegin Britta Poetzsch.

Dies ist ein Plagiat.

Ich habe einfach Brittas brillanten Text abgetippt, hier und da eine bewusste Ungenauigkeit hineinformuliert. Fertig. Fast so gut wie das Original.

Ich musste mir kein Thema mehr ausdenken. Ich musste nicht stundenlang an Formulierungen feilen. Tiefenentspannte Zeitgenossen holen bei solchen Anlässen gerne folgenden Satz aus der Hosentasche: „Eine Kopie ist das größte Kompliment“. Wirklich? Hier sind deutliche Buhrufe angebracht.

Eine Kopie ist stets das Werk fauler, stumpfer Pfuscher. Mit reichlich krimineller Energie statt dem für originäre Großtaten erforderlichen Pioniergeist. Sie lauern nur auf den Augenblick, bis sich eine Idee im Markt durchgesetzt hat. Während die echten Unternehmer die ganze Arbeit hatten.

Egal, ob es sich um beinahe perfekt nachgeahmte Eames-Chairs und andere ikonenhafte Sitzgelegenheiten großartiger Künstler, Designer und Kunsthandwerker handelt. Egal, ob von meisterhafter Musik oder deutscher Ingenieurskunst die Rede ist: Plagiate braucht kein Mensch. Lasst uns mit aller Entschlossenheit den Marken- und Werte-Piraten das Handwerk legen. Und: Liebe Britta, bitte verzeih mir.

Der Autor:

Armin Jochum ist Vorstand Kreation und Co-Gründer der Agentur Thjnk. Er ist einer von sechs Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

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