Der Werber-Rat
App sei Dank

Was man nicht kennt, kann man nicht kaufen, lautet ein Markengesetz von früher. Um die Marken-Bekanntheit voranzutreiben, wurden die Spots gerne vor der Sportschau geschaltet. Heute versuchen es die Unternehmen mit Apps.
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Bald gibt es eine Million eingetragene Marken im Land. Dreimal so viele Namen wie der Duden Wörter kennt. Und alle wollen in unseren Kopf. Allein das ist eine hundert Millionen Euro schwere Aufgabe. Die Marke lebt durch ihre regelmäßige Begegnung mit dem Konsumenten. „Own a minute a day in the consumer’s life. Every day“, schrieb Ex-CEO A. G. Lafley seiner 82-Milliarden-Dollar-Organisation Procter Gamble ins Pflichtenheft. Ein lebenserhaltender Moment. Fällt die Marke aus dem persönlichen Um- und Blickfeld, gerät sie schnell in Atemnot. Fragen Sie Nokia. Wann haben Sie zuletzt ein Nokia-Handy auf dem Konferenztisch gesehen?

Auch Tageszeitungen können ein Klagelied davon singen. Einst gehörten sie wie das Butterbrot auf den Frühstückstisch. Doch mit dem Verlust des familiären Morgenrituals fiel auch die Zeitung unter den Tisch. Gefrühstückt wird im Laufschritt. Nur mit einem Caffè Latte von Starbucks in der Hand blättert es sich schlecht. Nicht nur Verlage denken neuerdings über eine App nach. Sie wirken wie goldene Markenanker.

Der Dienst am Kunden ist Programm. Apps sorgen für Effizienz, Ordnung, Unterhaltung und Information. Damit können Sie bei Lufthansa auf den letzten Drücker einchecken und finden den kürzesten Weg zum Gate. Dr. Oetker liefert Rezepte und den digitalen Einkaufszettel gleich mit. Da wird es schwer, zur Rewe-Eigenmarke zu greifen. Pampers weiß, wo die nächsten Wickelplätze in Reichweite sind und versorgt Eltern mit Kinderliedern und beruhigenden Antworten. Und Ebay garantiert das Schnäppchen zwischendurch. Wer es bis aufs Smartphone geschafft hat, ist auf der sicheren Seite.

Es ist das wertvollste Schaufenster der Welt. Dort spielt sich das Leben Ihres Kunden ab. Gut, wenn Sie dabei sind und täglichen Augenkontakt haben. Das zahlt sich aus. Ein neues „öko(nomisches) System“ entsteht. Die App predigt: Kleinvieh macht auch Milliarden. Der regelmäßige 99-Cent-Click bei iTunes bringt Apple 12.000 Euro im Laufe eines Kundenlebens. In unseren schnelllebigen Zeiten gilt: Öfter hält besser.

Der Autor:

Frank Dopheide ist Inhaber der Agentur Deutsche Markenarbeit. Er ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Kommentare zu " Der Werber-Rat: App sei Dank"

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  • Dafür muss ich erst einmal wissen, dass es diese Firmen-App gibt und dann ist noch die Frage warum ich sie runterladen sollte.

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