Der Werber-Rat: Arbeiten – oder E-Mails schreiben?

Der Werber-Rat
Arbeiten – oder E-Mails schreiben?

Der Erfinder der E-Mail ist gestorben – seine Hinterlassenschaft ist eine echte E-Mail-Diarrhö im Büro. Unsere Kolumnistin fragt sich, wie man mit der täglichen elektronischen Post umgehen soll. Eine Idee: klonen.

Diese Woche ist der Erfinder der E-Mail gestorben. Diese Nachricht hat mich kurz in die Vergangenheit katapultiert. In ein Leben ohne E-Mails. Ich bin alt genug, um mich daran zu erinnern. Es war ein schönes Leben. Wenn man etwas mit einem Kollegen zu besprechen hatte, ist man in sein Büro gegangen.

Heute schreibt sogar der Mensch, der drei Meter Luftlinie im Großraumbüro entfernt von mir sitzt, eine E-Mail. Es herrscht eine echte E-Mail-Diarrhö. Anders kann man die Wort-Entleerungen nicht mehr bezeichnen. Ganz besonders angetan von der Qualität der Konversation bin ich, wenn ich bei „cc“ stehe. Oder mir jemand einen endlosen „E-Mail-Verkehr“ mit den Worten weiterleitet „siehe unten“. Dann neige ich zu Gewaltfantasien, in denen es blutig zugeht. Feuerwaffen spielen auch eine Rolle.

Ich könnte ohne Probleme meinen Arbeitstag mit dem Lesen, Verfassen, und Weiterleiten von E-Mails füllen. So eine Art Arbeitssimulation. Man sitzt am Computer und hackt in seine Tastatur. Sieht aus wie Arbeit. Fühlt sich auch an wie Arbeit. Nach Feierabend kommt man dann nach Hause und kann stolz sagen „Schatz, ich habe heute 1.500 E-Mails geschafft!“.

Das Internet ist voll mit Tipps, wie wir in der Flut nicht ertrinken. Zum Beispiel: Mails einfach nur zu bestimmten Stunden zu bearbeiten. Das passt nicht so ganz zu der Erwartungshaltung der Absender, denn fast alles soll umgehend beantwortet werden.

So wünsche ich mir, dass der Erfinder des Klonens mit der Sache schneller vorankommt. Dann gäbe es eine zweite Version von mir, die sich dann nur mit E-Mails beschäftigen könnte. Oder kann jemand das Hirn-Sharing erfinden? Dann müsste man keine Mails mehr schreiben. Hätte der Erfinder der E-Mails überhaupt die ganze Sache erfinden können, wenn er den ganzen Tag mit E-Mails beschäftigt gewesen wäre?

Die Autorin: Britta Poetzsch ist Global Creative Director der Agentur Ogilvy. Sie ist eine von sechs Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%