Der Werber-Rat
Bahncard statt Dienstwagen

Die junge Generation schert sich wenig um Statussymbole und ein möglichst hohes Gehalt. Wichtiger sind ein ausgeglichenes Leben, ein Studium neben dem Job oder die Chance, ins Ausland zu gehen.
  • 0

Reisen Sie demnächst nach London? Dann vergessen Sie den Portobello Market. Besuchen Sie lieber den quirligen Broadway Market mit seinen lokalen Köstlichkeiten. Schlendern Sie über die Brick Lane im East End wegen der Straßenmusiker, und weil dort der Duft von Jerk Chicken und Burritos in der Luft liegt.

Die Tipps kommen von einem jungen Kollegen, der für ein halbes Jahr bei unserer Schwesteragentur in London arbeitet und begeistert ist. Von der Metropole und vom Job dort.

Dieser Kollege ist ein gutes Beispiel dafür, wie sehr sich für die Werbe- und Kommunikationsbranche die Suche nach dem Nachwuchs verändert hat. Welche Anreize wir setzen müssen. Weil wir den demografischen Wandel mit voller Wucht spüren. Und weil sich die besten Talente aussuchen können, wo sie lernen und arbeiten wollen.

Mit finanziellen Anreizen sind die Besten der jungen Generation kaum zu locken. Schon im ersten Gespräch machen sie klar, was ihnen wichtiger ist: eine angenehme Arbeitsatmosphäre, Wertschätzung und flache Hierarchien. Vor allem pochen die Nachwuchskräfte aber auf persönliche Entwicklungschancen.

Sie fragen nach Weiterbildungsmöglichkeiten wie etwa einem dualen Studium oder klopfen ab, ob es netzwerkübergreifende Trainee-Programme gibt. Auslandserfahrung steht auf der Wunschliste ganz oben. Statussymbole spielen kaum noch eine Rolle. Bahncard oder E-Bike statt Dienstauto. Sabbaticals statt ein möglichst hohes Gehalt.

Eins fällt mir auf: Diese Generation tritt bei diesen Gesprächen viel selbstbewusster auf, als es in meiner Generation die Regel war. Der Nachwuchs weiß genau, was er will: eine sinnvolle Aufgabe, sich weiterentwickeln, Verantwortung, flexible Arbeitszeiten. Und die Talente sagen auch, ohne zu zögern, was sie auf keinen Fall wollen: eine gestörte „Work-Life-Balance“.

Das bringt frischen Wind in die Unternehmen, weil sich so die unterschiedlichen Erwartungen, die es durchaus gibt, anpassen. Beide Seiten lernen eben voneinander. Auch von unserem jungen Kollegen, der in seinem Blog über seinen Job und seine Eindrücke in London schreibt.

Die Autorin:
Marianne Heiß ist Finanzchefin der Agentur BBDO Germany. Sie ist eine von sechs Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Kommentare zu " Der Werber-Rat: Bahncard statt Dienstwagen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%