Der Werber-Rat: Brainwashing in Perfektion

Der Werber-Rat
Brainwashing in Perfektion

Mancher Werber träumt davon, Menschen beim Kauf eines Produkts zu manipulieren. In der Politik gelingt dieses Brainwashing derzeit gut. Die CSU schafft es, die Armutszuwanderung als Gefahr darzustellen.
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In der Werbung wird häufig davon geträumt, Menschen zu manipulieren. Sie zum freiwilligen Kauf eines Produkts zu bringen, ohne dass sie die Beeinflussung bemerken. Das gelingt in den seltensten Fällen. Denn gute Werber wissen, dass falsche Versprechen langfristig schaden. Denn die Menschen sind kritisch und fragen bei der Werbung nach der dahinterstehenden Absicht.

In der Politik gelingt hingegen derzeit ein Brainwashing, von der die Werbung nur träumen kann. Seit Anfang des Jahres überzeugt ein CSU-Politiker in großem Stil die Nation, dass ‚Armutszuwanderung‘ eine große Gefahr für die Sozialsysteme der Deutschen darstellt. Und die Kampagne gegen Bulgaren und Rumänen fällt auf erstaunlich fruchtbaren Boden.

Denn laut einer repräsentativen Umfrage halten 46 Prozent der Deutschen und sogar 56 Prozent der Unionswähler eine harte Linie gegen die Zuwanderer für gerechtfertigt. Obwohl sich eigentlich gerade in den letzten Jahren immer mehr Deutsche für die Zuwanderung ausgesprochen haben. Eine andere zum gleichen Zeitpunkt durchgeführte ARD-Studie nämlich legt dar, dass die Mehrheit der Deutschen Zuwanderung befürwortet.

Die Kampagne der CSU setzt auf plumpen Populismus. Für eine gezielte Stimmungsmache gegen andere Nationen scheinen wir Deutschen noch immer recht empfänglich. Niemand fordert Fakten oder Beweise.

Diese Kampagne ist mit solchen kaum untermauert. Während jeder Joghurt sein Gesundheitsversprechen beweisen muss, dürfen hier Menschen ungestraft als schädlich bezeichnet werden. Zuwandernde Rumänen und Bulgaren aber sind auch hochqualifizierte Ärzte und Akademiker. Weil in ihrem Land ihr Monatslohn zum Teil unter 200 Euro liegt, sind auch sie arm.

Der Politiker hat nicht gerechnet, wie viel Geld die Herkunftsländer in die Ausbildung ihrer Eliten stecken, die wir als Know-how nutzen können. Er liefert keine Aufstellung, die zeigt, dass uns diese Menschen mehr kosten, als sie an Zugewinn darstellen. Er schürt nur Angst vor dem Fremden. Und wir Deutsche sind anfällig für diese Propaganda.

Da bleibt mir nur der Neujahrswunsch: dass 46 Prozent der Deutschen mit dieser Kampagne so kritisch umgehen wie mit der Werbung.

Die Autorin:

Ines Imdahl ist Psychologin und Inhaberin der Marktforschungsagentur Rheingold Salon. Sie ist eine von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Ines Imdahl ist Psychologin sowie Inhaberin und Geschäftsführerin des Rheingold-Salons. Quelle: Ulrike Reinker
Ines Imdahl
/ Psychologin, Inhaberin Rheingold Salons

Kommentare zu " Der Werber-Rat: Brainwashing in Perfektion"

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  • zuwanderung ist eine bereicherung! Der beweis: polizei konzentriert sich zunehemens auf deutsche autofahrer, weil sie von deustchen autofahrern im dienst nicht beleidigt werden und auch keine rassismusvorwürfe befürchten müssen. Ausserdem zahlen deutsche autofahrer gut und pünktlich. Also: gute bussgeldzahlung=bereicherung.

  • Der Artikel stellt schon ein seltsames Stück selektiver Wahrnehmung dar was schon erschütternd inkompetent erscheint.
    Insofern ist er dass, was er der CSU vorwirft geschickt manipuliertes Brainwashing.
    Die Autorin beruft sich dabei auf Umfragen, die sie entweder gar nicht gelesen hat, oder nur aus verfälschten Überschriften kennt.
    Denn Fakt ist, das die Deutschen mehrheitlich noch nie etwas gegen Zuwanderung von Fachkräften hatten, mehr geht aus den Umfragen aber auch nicht hervor.
    Wie die Deutschen das Risiko der Armutseinwanderung beurteilen ist dagegen ebenso bekannt. Und das Erstere herzunehmen um das letzte zu legitimieren ist schon dreist oder unfähig.
    Interessanterweise argumentiert absolut niemand, der der CSU Hetzte vorwirft damit, warum die These der CSU falsch sei. Lediglich der vage Hinweis, dass die Mehrheit der Zuwanderer unauffällig sei wird ins Feld geführt. Darum geht es aber gar nicht.
    Es geht um das Problem mit der Minderheit der Auffälligen, die im Verhältnis durchaus eine eigene unangenehm deutlich auffallende Masse darstellen können, wie vergangene Erfahrungen zeigen.
    Wegen der schlechten Erfahrungen wollen die Bürger sichergestellt wissen, das keine nennenswerte Anzahl und sei es auch eine Minderheit von Armutseinwanderern, in Deutschland einwandert.
    Es lässt tief blicken, dass dieses Misstrauen mit keinem Wort glaubwürdig entkräftet wird, es geht allein um die Interessen der Wirtschaft, nicht der sozialen Folgen am Rande, die für die Betroffenen alles andere als marginal erscheinen.
    Das ist schnöselige arrogante Ignoranz und Missachtung derjenigen, die sich Sorgen machen.
    Wenn also schon hier Pro Einwanderung aus Rumänien und Bulgarien votiert wird und die Einwände für unberechtigt gehalten werden, dann bitte mit Argumenten, die welche sind und nicht mit handwerklich letztlich sogar falscher Argumentation.

  • Die von Frau Imdahl zitierte ARD-Studie stammt wahrscheinlich aus ihrem Institut!?

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