Der Werber-Rat: Das Alpenland sagt "Stopp"

Der Werber-Rat
Das Alpenland sagt "Stopp"

Wenn die Politik nichts tut, dann müssen es die Bürger richten. Wie so etwas aussieht, zeigen die Eidgenossen in der Schweiz. Sie wollen den Lohnexplosionen im Finanzsektor einen Riegel vorschieben.

So kann's kommen. Jahrzehntelang überließ die Politik den Finanzsektor dem "freien Spiel der Kräfte". Motto: "Mehr Anarchie wagen!" Im besten Fall glaubte sie, blieben die Goldesel im Lande, und am Ende würde alles gut. Im naiven Fall baute sie auf den "ehrbaren Kaufmann", der Soll und Haben ordentlich ins Hauptbuch schreibt. Im schlimmsten Fall hoffte sie auf großzügige Dankesspenden an die Parteikasse.

Ein politisches Vakuum macht, was ein Vakuum tut: Es füllt sich.

Die stolzen Banker - ach die gibt's eigentlich nicht mehr - und kühlen Geschäftemacher taten, was getan wird. Sie nutzten, was man ihnen zur freien Nutzung überließ. "Triumph des Augenblicks" war Ziel, "Glanz der Dauer" war altmodisch. Viele arbeiteten nicht für Grundgehalt, sondern Boni. Bei Zu- oder Abgang wurde auf Verträge draufgelegt. In aller Unschuld zerrüttete sich System und Grundvertrauen.

Nun sollen es die Wähler richten. Das Alpenland sagt "Stopp". Das erfolgreichste Referendum seiner Geschichte. Die Eidgenossen setzen auf konstruktives Misstrauen. Nicht der Staat soll Exzesse deckeln, sondern die Eigner und Aktionäre, die - neben der Belegschaft - das Ganze bezahlen müssen.

Eine argumentationsarme Politik darf sich nicht wundern, wenn ihr ungeduldige Bürger auf die Sprünge helfen. Eliten, die nicht maßhalten und sich elitär oder gar parasitär gebärden, verlieren ihre Deutungshoheit. Eine Gesellschaft, die ihrerseits Misstrauen und Häme gegenüber herausragenden Leistungen bereit hält, verkauft sich unter Mittelmaß. Bock und Gärtner sind zweierlei. Den Missbrauch kontrolliert am besten, wer darunter persönlich zu leiden hätte.

Bei alledem spielt Kommunikation eine enorme Rolle. Sollte man beispielsweise - wie es gerade geschieht - bei grassierender Europa-Phobie die hohen Bezüge der Brüsseler Beamten, wie EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso den Regierungen androht, auf dem Klageweg anheben? Volkes Stimme in der Schweiz tönt nicht links, wie es "Die Linken" auf eiligen Plakaten vorgaukeln. Die wollen auf den Flammen der Vertrauenskrise ihr dünnes Süppchen kochen. Nichts gefährdet eine gute Sache mehr, als sie mit schlechten Mitteln zu vertreten. Von der Schweiz lernen heißt: den vermittelbaren Zusammenhang zwischen Leistung und Lohn bewahren. Staatlicher Rahmen ermöglicht Eigenverantwortung, ersetzt sie nicht.

Der Autor ist einer von fünf Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Bodo Hombach ist Präsident der Bonner Akademie für Forschung und Lehre praktischer Politik.

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