Der Werber-Rat
Das Bekenntnis zur Heimat

Weltmeister fallen nicht vom Himmel, die meisten kommen von unten. Jeder hat einen ersten Verein. Beim Amateurfußball beginnt es: die Technik, taktisches Geschick und vor allem die Leidenschaft.
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Am 26. Juli gab es in Haltern zwei Gründe zum Feiern: die Welt- und die Stadtmeisterschaft! Größer könnte der Unterschied gar nicht sein, obwohl die Entfernung zwischen beiden Titeln gerade mal 100 Meter Luftlinie beträgt. Denn hier in einem kleinen Städtchen am nördlichen Rand des Ruhrgebiets trafen zu nächtlicher Stunde der frisch gebackene Weltmeister Benedikt Höwedes und der nun zweifache Stadtmeister der Seestadt – meine Wenigkeit – aufeinander. Zwei Wochen nach dem Triumph in Brasilien saß er zwischen Amateurfußballern bei einem Bier und sang kraftvoll das Vereinslied des TuS Haltern am See.

Uns beide verbindet nicht nur der Geburtsort, sondern vor allem das besondere Verhältnis zum Heimatverein. Einen „ersten Verein“ hat man ja irgendwie immer, das an sich ist wohl nichts Außergewöhnliches. Außergewöhnlich ist das lebenslange Bekenntnis zu diesem Verein.

Während mein Spielerpass nach dem Ende meiner Profikarriere an die „Stauseekampfbahn“ ging und immerhin zu zwei Stadtmeistertiteln, einem Einsatz in der Landesliga und - als Krönung - einem Spiel in der Kreisliga B mit der III. Mannschaft reichte, sieht man Benedikt des Öfteren bei Spielen des TuS Haltern hinter der Bande stehen. Manchmal kommt er sogar spontan vorbei und trainiert bei der ersten Mannschaft mit. Weltmeister fallen nicht vom Himmel, die meisten kommen von unten.

Wie wichtig die Basis ist hat Wolfgang Niersbach direkt nach Abpfiff des WM-Finales erkannt. Der DFB-Präsident richtete seine Worte an die 26.000 Vereine in Deutschland, also jene Vereine, bei denen gefühlt 99 Prozent unserer WM-Helden begonnen haben. Ohne Vereine wie Haltern am See, TSV Pähl (Lahm), FT München Gern (Müller) oder dem SC Ronsberg (Götze) hätte es diesen Moment von Maracanã vielleicht nicht gegeben. Lediglich Manuel Neuer spielte bereits seit der F-Jugend beim FC Schalke 04.

Beim Amateurfußball beginnt es: die Technik, taktisches Geschick und vor allem die Leidenschaft. Um die besten 23 des Landes zu finden, die uns bei den großen Turnieren vertreten, benötigen wir die sechs Millionen, die es vielleicht nicht schaffen, aber mit Begeisterung am Pfingstmontag bei 30 Grad um 15 Uhr auf den Aschenplätzen stehen.

Der Autor:
Christoph Metzelder ist Mitinhaber der Agentur Jung von Matt/Sports. Der Ex-Fußballprofi ist einer von sechs Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

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