Der Werber-Rat
Der Handel muss sich neu erfinden

Stichwort Beratungsklau: Zwei bis drei Stunden pro Tag arbeitet ein Verkäufer im Einzelhandel für die Online-Konkurrenz wie Amazon. Bestellt wird per Smartphone – das ist preiswerter. Der Handel muss sich neu erfinden.
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Neulich bei Saturn: Ein Verkäufer erklärt, was der tolle rote Kopfhörer für 129 Euro alles kann. Drum herum stehen vier Jugendliche, alle vier schauen auf ihre Smartphones. Zwei gucken, was der Kopfhörer bei Amazon kostet, der dritte ist bei Ebay, der vierte liest, was Leute über den Kopfhörer schreiben.

Egal, wer am Ende wo seinen Kopfhörer kauft, klar ist auf jeden Fall: Der Handel hat ein Problem. Er wird von der mobilen Revolution in seinem Kern getroffen. Vor ein paar Jahren passierte das Gleiche schon mal, nur etwas komplizierter und heimlicher: Beratungsklau vor Ort beim freundlichen Fachhändler, Bestellung zu Hause beim preiswertesten Anbieter im Netz.

Im Grunde arbeitet ein Verkäufer im Einzelhandel, egal ob er Kameras, Kleider oder Kochtöpfe anpreist, jeden Tag zwei bis drei Stunden für Amazon oder irgendeinen anderen Onlineversender. Studien besagen, dass bis zum Jahr 2020 in England 30 Prozent aller Einzelhandelsgeschäfte verschwunden sind. Apps wie Google Shopper, die mit Bilderkennung direkt zum besten Angebot führen, sind bald noch besser und vor allem verbreiteter als heute. Umständliche Texteingabe, das Scannen von Barcodes - alles viel zu kompliziert. Einfach ein Bild machen oder die Spracherkennung nutzen, schon weiß man, wo es das beste Angebot gibt. Noch ein Klick, dann ist es bestellt.

Das zwingt den Handel, sich neu zu erfinden. Dabei ist das Smartphone auch ein guter Helfer: Es weiß genau, wann sein Besitzer in die Stadt zum Shoppen fährt, es erkennt, wann jemand ein Geschäft betritt und kann so zielgenau Angebote oder Rabattgutscheine zuschicken. Es führt aber auch zu völlig neuen Produktinszenierungen fernab vom klassischen Ladengeschäft.

Der englische Supermarkt-Riese Tesco hängt in Bahnhöfe Plakate, auf denen gefüllte Supermarktregale zu sehen sind. Man scannt per Foto, welche Produkte man aus dem Regal haben will, ein paar Stunden später ist die gefüllte Einkaufstüte zu Hause. Das hippe japanische Modemagazin ToykioFashion präsentiert auf Catwalk-Events die neuesten Kollektionen, per Foto-Scan kann man die kompletten Outfits direkt nach Hause bestellen. Im Grunde kann mit dem Smartphone alles zur Verkaufsfläche werden. So wie Computer und Internet die Welt radikal verändert haben, wird es das Smartphone noch mal tun. Bis 2014 hat jeder Amerikaner ein Smartphone. Heute stellt Apple das neue iPhone 5 vor. Vielleicht geht es ja noch schneller.

Der Autor:

Stefan Kolle ist Geschäftsführer Kreation der Agentur Kolle Rebbe in Hamburg. Er ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

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