Der Werber-Rat
Der König der Heuchler

„Big Rex“ Tillerson ist ein mächtiger Mann. Und der Boss von Exxon Mobil gilt als Antichrist aller Umweltgläubigen. Nun will er den Bau eines Wasserturms vor seiner Ranch verhindern - mit allen Mitteln.
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Gründungsvater JD Rockefeller wäre stolz auf seinen Spitzenmann, der mit vierzig Millionen Jahresgehalt (inklusive Bonus und Aktien) fürstlicher entlohnt wird als die Staatspräsidenten der Europäischen Union zusammen. Dafür nimmt sich der 61-Jährige auch gern kritische Naturgeister zur Brust. Seine Sätze sind so legendär wie seine Gedanken: „Was soll gut daran sein, die Welt zu retten, wenn die Menschheit darunter leidet?“ und „Die globale Erwärmung ist in erster Linie ein technisches Problem.“

Damit seine frisch erschlossene Erlösquelle Fracking weiter kräftig sprudelt, gibt er gern den Sprengmeister. Seine Achse des Bösen heißt Regulierung, gefährdet sie doch Aufschwung und Wohlstand von Millionen Amerikanern. Mit einem Budget in Millionenhöhe ist er der Hauptsponsor für alle Skeptiker des Klimawandels. Wissenschaftler, die den Klimabericht der Uno infrage stellen und Zweifel säen, werden unbürokratisch mit zehntausend Dollar honoriert, plus Spesen.

Eine Imagekampagne der anderen Art, seit Jahren von Erfolg gekrönt. Der höchste Gewinn, den je ein nicht staatliches Unternehmen erzielt hat, ist Rex’ Verdienst: 45 Milliarden Dollar.

Und jetzt das: Direkt vor Tillersons imposanter 33 Hektar Ranch in Texas soll ein großer Wasserturm gebaut werden. Das Wasser soll später helfen, ganz nach Fracking-Art, Gas aus der Erde zu drücken. Hier hören die Liebe zum Geld und der Spaß für „Big Rex“ auf. Mit allem, was in der Nachbarschaft Rang und Namen hat, zieht er zum Rathaus, um das zu verhindern.

Dem Chef des Ölmultis gelingt das Undenkbare: Ein Auftritt genügt, um die Öffentlichkeitsarbeit der letzten Jahrzehnte mit einem Donnerhall zu sprengen. Das Medienecho ist rund um den Erdball zu hören. Minuten später ist seine Glaubwürdigkeit in Schutt und Asche gelegt. Er wird vor laufenden Kameras in aller Welt zum König der Heuchler gekürt. Die Umweltverbände können ihr Glück kaum fassen: Sie greifen zum Smartphone und sind seither seine engagiertesten Unterstützer. „I am with Rex“ twittern seither Ökoaktivisten aus aller Welt, schicken Bilder und gute Wünsche, um Mr. Tillerson bei seinem selbstlosen Kampf gegen das Fracking den Rücken zu stärken. Gut, wenn man Verbündete hat..

Der Autor:

Frank Dopheide ist Inhaber der Agentur Deutsche Markenarbeit. Er ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Kommentare zu " Der Werber-Rat: Der König der Heuchler"

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  • Ich denke nicht, dass er unter Realitätsverlust leidet. Als Fracking-Anhänger kennt er die Gefahren dieser Technik genau.
    Deshalb gibt es für ihn keine andere Option, als dies in seiner Nachbarschaft zu verhindern!
    Ist wie mit den Kohlekraftwerken bei uns. Solange für die Aktionäre die Dreckschleudern Geld bringen ist alles o.K. Der Spaß hört erst auf, wenn so eine Dreckschleuder in ihrer Nähe gebaut werden soll!

  • Es ist erschreckend wie weit diese sogenannten Entscheider unter Realitätsverlust leiden. Denn dies ist ja kein Einzelfall. Dumme Sprüche klopfen, irgendwas von Verantwortung labern und wenn es dann soweit den Schwanz einziehen. Überbezahlte Feiglinge und Warmduscher

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