Der Werber-Rat
Der nette Herr Grube

Wenn der Chef zum Markenartikel wird: Rüdiger Grube, seit 2009 an der Spitze der Deutschen Bahn, zeigt, wie man ein lädiertes Unternehmensimage nicht nur mit teurer Werbung aufpolieren kann.
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Der Chefsessel ist der Sitz zwischen allen Stühlen - Bahn-Chef zum Beispiel. Herr Ramsauer ist Ihr Vorgesetzter und Vater Staat alleiniger Anteilseigner. Als größter Stromverbraucher der Nation bezahlen Sie Angelas Energiewende mit etlichen Millionen Euro. Ihr neuer Bahnhof in Stuttgart wird außerplanmäßig eine gute Milliarde teurer.

Sie investieren 500 Millionen Euro in schnelle Züge, die schon bei Auslieferung Monate Verspätung haben. Im Minutentakt rollen Sie über sieben Millionen gehetzte Menschen durchs ganze Land. Ihre Störenfriede sind so zahlreich wie unkalkulierbar - Fußballfans, Bombenleger oder Kupferdiebe. Der tägliche Zorn entlädt sich mit Getöse auf Ihre rund 300 000 Mitarbeiter.

Es ist Chefsache, jene Mitarbeiter zu Höchstleistungen zu bewegen. Im Mai 2009 ist der Daimler-Manager Rüdiger Grube auf diesen Zug aufgesprungen. Er gibt dem Staatsunternehmen seither ein neues Gesicht. Es ist freundlicher, zuvorkommender und kommunikativer als das seines Vorgängers Hartmut Mehdorn. Dienstleistung statt Dampfhammer. Und das macht den Unterschied.

Der Vorstandsvorsitzende als Markenartikel seines Unternehmens. Mit steigender Komplexität wird Personalisierung zum wirkungsvollen Instrument der Vereinfachung. Was als Imagekampagne hundert Millionen Euro und zehn Jahre verschlingen würde, erledigt der Chef hier gleich mit. Serviceorientierung und Freundlichkeit werden zur persönlichen Mission. Grube ist immer im Dienst und serviert zwischen den Feiertagen den Fahrgästen schon mal Getränke.

Er nimmt Beschwerden persönlich, greift zum Telefon und hört beim Kunden nach. Unaussprechliches wie "Ich liebe meine Mitarbeiter" geht ihm locker über die Lippen. Und das fällt auf: Im November wurde er mit der "Goldenen Victoria für Integration" für beispielhaftes Handeln, Respekt und Verständnis ausgezeichnet. Neben dem Was wird das Wie zum Erfolgsfaktor.

Und das bleibt nicht ohne Wirkung. Die Sympathiewerte der Bahn haben um fünf Prozent zugelegt. Der Mann an der Unternehmensspitze wird zum personalisierten Markenversprechen. Das sieht auch der Aufsichtsrat so und verlängerte seinen Vertrag vorzeitig bis Ende 2017. Aus Markensicht eine gute Entscheidung.

Der Autor:

Frank Dopheide ist Inhaber der Agentur Deutsche Markenarbeit. Er ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

 

Kommentare zu " Der Werber-Rat: Der nette Herr Grube"

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  • So ein Unsinn!

    Der Schreiber scheint noch nie Bahn gefahren zu sein. Millionen Menschen müssen täglich die Verspätungen aushalten und sind miserabel auf die Bahn zu sprechen. Und Stuttgart 21 ist ein monumentaler Blödsinn, für den hinterher Steuerzahler und Bahnfahrer zahlen müssen.

  • Volle Zustimmung...

  • Ist das bezahlte Werbung für die DB?
    Bei dem deutschlandweiten Mist, den die DB veranstaltet, ist das sonst nicht zu verstehen...

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