Der Werber-Rat
Der Qualifikationsweltmeister

Von allen Produkten, die Deutschlands Bild in der Welt prägen, hat unsere Fußballnationalelf die stärkste imagebildende Kraft – vor Bier und Autos. Die WM 2014 wird daher zu einer globalen Imagekampagne.
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Wird die WM 2014 zu einer Art globaler Imagekampagne, ist Joachim Löw unser wahrer „Außenminister“. Um die Frage nach dem idealen Casting nicht beim Turnier aufkeimen zu lassen, hat ihm der DFB einen Blankoscheck ausgestellt: die Arbeitserlaubnis bis 2016.

Aus Markensicht hat Löw Großartiges geleistet. Er war Co-Trainer und Spiritus Rector des Sommermärchens, in dem Deutschland 2006 seine Liebe zu Schwarz -Rot-Gold wiederentdeckte und wochenlang glückselig im Fahnenmeer badete. Die Welt rieb sich die Augen und sah: Etwas ist anders geworden in der Heimat der Grübler und Skeptiker. Unter Löws Ägide wurden Rumpelfußballer zu Ballzauberern, die Frisuren ansehnlicher und die Spielwiese zur Augenweide. 2010 gewann Löw den Ehrenbambi – für gute Unterhaltung sozusagen. Nie war deutscher Fußball so attraktiv wie heute. Wer hätte gedacht, dass Fußballer Ikonen der Modeindustrie werden? Löws Glückspullover aus hellblauem Garn wurde zum Verkaufsschlager.

Wenn heute 25 Prozent der Fußballfans weiblich sind, ist dies in erster Linie Löws Truppe zu verdanken. Sein Nationalteam ist Schmelztiegel und Vorzeigeprojekt gelungener Integration für Jungs mit türkischen, ghanaischen und polnischen Wurzeln. Dafür gebührte ihm nicht nur der Applaus der Kanzlerin, sondern auch das Bundesverdienstkreuz am Bande. Löw verkörpert Pflichtbewusstsein, Disziplin, Strategie und Präzision. Wir fühlen uns wohl mit seiner Haut.

Nur leider gibt es für Schönheit keinen Pokal. In der entscheidenden Disziplin steht Löw mit leeren Händen da, allen Statistikrekorden zum Trotz. Das Lineker’sche Naturgesetz „am Ende gewinnen immer die Deutschen“ ist seit 17 Jahren außer Kraft gesetzt. Erfolg und Verlässlichkeit – ausgerechnet beim nationalen Vorzeigeprodukt bleibt Deutschland den Beweis schuldig.

Das trifft die Marke ins Mark. Schön verlieren geht nicht. Steigt der Nationaltrainer im Juli erneut mit leeren Händen aus dem Flieger, muss er trotz vorzeitiger Vertragsverlängerung vom Platz. Löw bleibt aber gelassen: „Manchmal gibt eine schwere Geburt ja auch ein schönes Kind.“ Freuen wir uns auf eine weltmeisterliche Tauffeier. Halten Sie sich den Termin frei: am 13. Juli ab 16 Uhr. Sie sind eingeladen.

Der Autor:

Frank Dopheide ist Inhaber der Agentur Deutsche Markenarbeit. Er ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

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