Der Werber-Rat
Der Siegeszug der Eiskübel

Die Ice Bucket Challenge greift weiter um sich. Jeder tut es. Wie jeder Hype provoziert auch dieser teils heftige Gegenreaktionen. Warum bloß?
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Seien wir ehrlich. Es nervt schon ein wenig. Kaum schaut man auf seinen Facebook-Account haben sich schon wieder 20 Freunde mit einem Kübel Eiswasser nass gemacht. Denn nicht nur Promis tun es, sondern so ziemlich alle: Die Teilnahme an der ALS Ice Bucket Challenge, um Spenden zu sammeln für die Erforschung und Bekämpfung der grausamen Krankheit ALS.

Wie jeder Hype so führt auch dieser zu heftigen Gegenreaktionen. Manche regen sich über die Wasserverschwendung auf, manche weisen darauf hin, dass noch nicht genug Spenden zusammengekommen sind, andere prangern die Lust an der Selbstdarstellung an. Aber genau die ist der Grund, warum diese Aktion so erfolgreich ist. Das ist sie ohne Zweifel. In den USA hat sie schon 79,7 Millionen Dollar gebracht.

In Deutschland ist das Spendenaufkommen weit von solchen Summen entfernt, aber deutlich höher als je zuvor. Der Medien- und Aufmerksamkeitswert dieser Aktion ist sowieso unbezahlbar. Diese Aktion trifft aus mehreren Gründen den Nerv der Menschen und macht sie zum wahrscheinlich erfolgreichsten Kettenbrief aller Zeiten. So schrecklich der Hintergrund auch ist, so unterhaltsam ist es auch, dabei zuzugucken, wie selbst makellose Hollywoodstars wie begossene Pudel aussehen. Wie große Wirtschaftsbosse wie kleine Mädchen kreischen und dass so ziemlich alle ihre anarchische, bekloppte Seite ausleben.

Der zweite Erfolgstreiber ist das große Bedürfnis der Menschen, dazuzugehören. Wir sind nun mal soziale Wesen. Der dritte ist das Bedürfnis, einfach mal etwas Gutes zu tun. Das könnte man natürlich im stillen Kämmerlein tun und sich während seiner Online-Überweisung in Bescheidenheit üben. Aber warum eigentlich? Ich möchte allen Berufszynikern und Nörglern zurufen: Spart lieber schlechte Laune, statt Eiswasser.

Na klar, haben das auch Marken teilweise wenig feinstofflich für sich ausgenutzt. Und sicher ging es dem einen oder anderen mehr um die eigene Selbstdarstellung als um ALS. Aber am Ende haben wir es mit einer wirklich großartigen Idee zu tun, die es schafft, Menschen zu begeistern und zu bewegen. Und die hoffentlich noch viel Geld zusammenbringen wird. Ob wir davon genervt sind oder nicht.

Die Autorin ist eine von sechs Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Die Autorin

Britta Poetzsch ist Head of Lifestyle der Agenturgruppe Serviceplan. Sie ist eine von sechs Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

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