Der Werber-Rat
Der Sturm des Jahres

Unbedachte Äußerungen, eine Wurstscheibe oder nusshaltiger Brotaufstrich reichen aus, um einen riesigen Shitstorm auszulösen. Es sind daher gute Zeiten für PR-Berater, die Unternehmenskommunikation in Echtzeit können.
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Das Jahr ist beinahe um, wir haben es wieder irgendwie geschafft. Egal, ob Pitches, Winkelzüge oder Paukenschläge: Es war beinahe ein Jahr wie jedes andere. Etwas war allerdings anders als in den Jahren vorher.

Neben allen möglichen unangenehmen Dingen, die plötzlich und ohne Vorwarnung um die Ecke kommen, kam dieses Jahr noch eine Inflation dazu. Und zwar eine ebenso bedrohliche wie schwer zu beherrschende: die Shitstorm-Inflation 2014.

Es wurde nach Herzenslust rumgezündelt, ausgeteilt und eimerweise gefährliches Halbwissen mit Gülle vermengt und aus sicherer Deckung auf Unternehmen und Personen gefeuert, die oft gar nicht mehr wussten, wo und wie sie sich in Sicherheit bringen können.

Ging es früher meist darum, unehrenhaftes Geschäftsgebaren oder schlichten Betrug am Verbraucher an den Pranger zu stellen, reichen heute unbedachte Facebook-Posts schon für dunkelstes Firmament: „BVB-Toaster löst Shitstorm bei Twitter aus“. Dirk Nowitzki isst in einem Werbespot eine Scheibe Wurst? Buh!

„Geht ja gar nicht!“ oder „Shitstorm wegen Schoko-Foto!“ Dürfen Supermodels nusshaltigen Brotaufstrich mit 55,9 g Zucker und 31,8 g Fett je 100 Gramm auf den zur morgendlichen Grundversorgung gehörenden Pancake streichen? Ist das vielleicht Product-Placement? Das geht nicht gut. Schlimmste Buhrufe.

Neben solchen unbedachten Leichtsinnigkeiten gibt es aber auch weiterhin noch allerhand richtig hausgemachte Probleme, die nicht so ohne weiteres aus der digitalen Welt zu schaffen sind. Menschen machen Fehler, das ist nicht zu ändern.

„Truth is the best Strategy anybody ever had“ sagte Sir John Hegarty, britisches Werbe-Herrgöttle, als er einmal zu seinen wirkungsvollsten Rezepten befragt wurde. Unternehmen müssen heute Gegenwind abkönnen. Und feines Gespür an den Tag legen. Gute Zeiten für PR-Berater, die heute die gesamte Klaviatur der Unternehmens-Kommunikation in Echtzeit beherrschen.

Sie haben das Jahr 2014 schadlos überstanden? Durchatmen. Gönnen Sie sich ein besonderes Tröpfchen, Sie müssen das Label ja nicht gleich irgendwo posten.

Der Autor:

Armin Jochum ist Vorstand Kreation und Co-Gründer der Agentur Thjnk. Er ist einer von sechs Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

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