Der Werber-Rat
Der Trick mit dem Köfferchen

Was ist Ihnen von der Kommunikation der großen Sponsoren während des WM-Endspiels vergangenen Sonntag wirklich im Kopf geblieben? Der heimliche Star war ein Koffer.
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Man nehme: das Endspiel der Fußballweltmeisterschaft im Maracanã-Stadion in Rio de Janeiro, die schönste Frau der Welt und die gespannte Aufmerksamkeit von zwei Milliarden Menschen auf dem gesamten Globus. Fertig ist der größte Auftritt einer Marke während der WM 2014. So geschehen am vergangenen Sonntag.

Kurz bevor das Spiel der Spiele losging, trugen niemand anderes als Brasiliens Supermodel Gisele Bündchen und der Kapitän der spanischen Weltmeister-Mannschaft von 2010, Carles Puyol, den heiß begehrten Pokal hinein ins Stadion. Aber der lag nicht etwa auf einem popeligen Samtkissen oder stand gut sichtbar auf einem passenden Goldtablett. Er war verpackt. In einem extra angefertigten Edelkoffer der Luxusmarke Louis Vuitton. Zwei Minuten lang war die Kamera auf das Köfferchen fixiert. Zwei Minuten lang war das Logo der Marke zu sehen. Davon konnten selbst Giseles goldbraune Edelgräten nicht ablenken. Dem haarigen Bärtigen daneben hat das Köfferchen sowieso schon die Show gestohlen.

Normalerweise geht WM-Kommunikation der großen Sponsoren während des Turniers so: Man kaufe sich die größten Stars der Fußballwelt ein, engagiere die kreativsten Kommunikationsagenturen und berühmtesten Regisseure des Universums und drehe Spots, die die Fußballgötter noch gottgleicher erscheinen lassen. Große Geschichten. Fantastische Bilder. Ungesehene Special Effects. Dramatische Chöre. Männlich. Martialisch. Megateuer. So sind die Regeln.

Nun waren die zwei Minuten an der Seite von Gisele auch keine unbezahlte Guerilla-Maßnahme, sondern sicher eine der teuersten Werbeaktionen der Welt. Zu gern hätte ich dazu die Zahlen.

Von der Wirkung her ist diese Aktion unbezahlbar. Da kann man so viel Bandenwerbung machen wie man will. Diesen einen Moment so für sich zu nutzen, das ist in der Welt der Kommunikation schon ein Husarenstück. Ich persönlich hätte allerdings lieber Giseles lange Gräten als das Köfferchen. Das ist aber eine ganz andere Geschichte.

Die Autorin:

Britta Poetzsch ist Geschäftsführerin Kreation der Agentur Serviceplan Sales. Sie ist eine von sechs Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Kommentare zu " Der Werber-Rat: Der Trick mit dem Köfferchen"

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  • Frau Britta Poetzsch erfreuen sie sich lieber an ihrem eigenen Aussehen, außerdem sind manchen Männern Frauen mit Humor wichtiger als das Fahrgestell. Diese WM ist wirklich ein polierter Marketing-Spiegel für viele. Für mein Geschmack ein wenig zuviel Politur von Anfang bis zum Ende.
    Der bittere Vor- und Nachgeschmack ist unterdrückt, wie zwei Lärmquellen die sich gegenseitig aufheben. Ihre Wirkung bleibt, ob gehört oder ungehört. Wer ein A Klasse Problem künstlich auf C Klasse drückt, weil er Anderen gefallen will, wird abstürtzen. Die Anderen haben den Nutzen und sind schon längst wo anders. In sofern ist das Köfferchen ein gutes Sinnbild, kurz hier - kurz da und schon wieder weg. Irgendwie verwandt mit dem Glück. Dagegen sind Probleme, eher wie das Pech, sie kleben fest und sind nur schwer wieder los zu werden. Und die Deutschen mit ihrer Selbstbeweihräucherung, nun da fällt mir Churchill ein: Die Deutschen hast du entweder am Hals oder an den Füssen. Sind sie einem Springteufel gleich aus den dem Koffer gesprungen, in dem solange die Spannung der Unterdrückung ertragen mußten. Mit der Freiheit ist das so eine Sache. Der Pokal durfte nach langer Zeit, für ein paar Stunden aus dem Koffer bis er dann wieder eingesperrt für lange Jahre. So ergeht es auch dem Springteufel.

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