Der Werber-Rat
Der Weg aus der Erfolgsfalle

Wer gewinnen will, muss sich immer wieder verändern. Sonst droht die Erfolgsfalle: Perfektion führt zu Langeweile und Stillstand. Das wissen nicht nur die Nintendo Wii-Erfinder, sondern auch Bayern-Trainer Pep Guardiola.
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Madrid, 2. Mai 2009. Mein erstes Clásico: Real Madrid, seit 18 Spielen ungeschlagen, darunter 17 Siege und ein Unentschieden, trifft auf den FC Barcelona. Mein Freund und heutiger Geschäftspartner Christoph Metzelder im Trikot der Königlichen auf dem Rasen, ich das erste Mal live vor Ort.

Was wir beide vor dem Anpfiff nicht wissen: Es wird ein denkwürdiges Spiel und der Beginn der erfolgreichsten Ära in der Geschichte des FC Barcelona: Pep Guardiola erfindet im wichtigsten Saisonspiel die falsche Neun, gewinnt sensationell mit 2:6 in Madrid und prägt damit über Jahre hinaus den Weltfußball.

Die falsche Neun, der fluide Stürmer Lionel Messi, der sich als Mittelstürmer immer wieder weit zurückfallen lässt, wird in Folge viermal Weltfußballer des Jahres. Guardiola weiß, dass der Erfolg von gestern schnell zum Misserfolg von heute werden kann.

Seit Wochen trainiert er beim FC Bayern München die Dreier-Abwehrkette – in einer Zeit, wo die Viererkette als beinah perfektioniert gilt. Doch genau hier setzt Guardiola an. Denn kollektive Perfektion bedeutet am Ende auch kollektive Neutralisation.

Wenn ähnliches Spielverständnis und Taktik im Fußball aufeinandertreffen, hängt Erfolg oft von starken Einzelleistungen ab. Dies impliziert oft individuelle Klasse, die sich gut bezahlen lässt und an der immer mehr Menschen verdienen. Eine Spirale, die das Budget nach oben und die Unberechenbarkeit des Spiels nach unten drückt.

Die Wirtschaftswissenschaft kennt dieses Phänomen unter dem Begriff „Success Trap“. Firmen versteifen sich auf eine Linie und perfektionieren diese. Dass man sich nicht in diese Spirale begeben muss, zeigen immer wieder Beispiele aus dem Sport, wie der Fosbury Flop im Hochsprung oder die Einführung des V-Stils im Skisprung.

Aber auch in der Wirtschaft. Prominent ist die Nintendo Wii, die aus der Falle von hohen Technikinvestitionen und den immer größer werdenden Erwartungshaltungen von Gamern ausbrach, indem sie sich die soziale Komponente erschloss: Geboren war die Konsole für Gruppen und Familien.

Die Kombination aus „Good-enough“ und neuen Zielgruppen war auch lange der Erfolg von Ryanair. Dafür braucht es Visionen und Beharrlichkeit. Guardiola hat beides.

Der Autor:
Raphael Brinkert ist Mitinhaber der Agentur Jung von Matt/Sports. Er ist einer von sechs Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

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