Der Werber-Rat: Der Zauber des ersten Kusses

Der Werber-Rat
Der Zauber des ersten Kusses

Mit rasendem Tempo verbreitet sich ein Video im Netz, das Menschen zeigt, die sich zum ersten Mal küssen. Die „werbende“ Modemarke bleibt dabei dezent im Hintergrund. Der perfekte Coup!
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Viren hält man sich eigentlich gern vom Leib. Und seit das Netz zum Mittelpunkt unseres Lebens geworden ist, auch vom Computer. Mit den sogenannten viralen Videos auf Youtube oder Facebook verhält es sich anders. Diesen Viren setzen wir uns freiwillig aus. Den aktuellen Film „First Kiss - We asked 20 strangers to kiss for the first time“ haben bereits mehr als 50 Millionen Menschen aus eigenem Antrieb angeklickt.

Dabei ist der Begriff Virus in psychologischer Hinsicht nicht treffend. Denn die erfolgreichen Videos räumen mit dem Vorurteil auf, dass Werbung generell ein Störfaktor ist, dem man sich kaum aus freien Stücken aussetzt. Dabei ist sie Bestandteil unseres täglichen Tuns. Wir werben alle, jeden Tag, um unsere Haltungen und Meinungen und natürlich um die Liebe. Und das tun wir vollkommen freiwillig. So wie wir die berührenden Videos nicht nur ohne zusätzlichen Druck anklicken, sondern sogar weiterleiten.

Menschen tun das nur, wenn sie berührt sind von dem Menschlichen, den Gefühlen und der Relevanz der Werbung. Das ist selten genug der Fall. Das aktuelle Beispiel beweist aber, dass es möglich ist, mit Werbung zu berühren. Denn das Video zeigt liebevoll die peinlich-angenehmen Momente vor dem ersten Kuss, die fast jeder schon erlebt hat.

Es spielt auch auf die intime Nähe danach an. Die „werbende“ Modemarke bleibt - gekonnt! - im Hintergrund. Aber beim zweiten und dritten Mal anschauen beginnt man auf die Kleidung zu achten, will die Marke kennenlernen oder gar kaufen.

Die Zurückhaltung der Marke schafft Nachhaltigkeit. Gerade durch die Auseinandersetzung mit ihr auf den zweiten Blick nach dem ersten Kuss. Interessant aber das Selbstverständnis der Werber, solche Aktionen als "viral" zu bezeichnen. Sie verstärken so das Klischee, Werbung sei per se etwas, das uns aufgezwungen oder untergejubelt werden müsse.

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Dabei wollen wir berührt werden durch Umwerbungen, immer und überall. Denn Berührungen schmeicheln der Seele. Nur leider handelt es sich bei dem, was als Werbung bezeichnet wird, nur selten um echte Umwerbungen. Und dann mutet es fast wie eine Überraschung an, wenn „echte“ Werbung quasi „von allein“ und ohne Druck funktioniert.

Die Autorin ist eine von fünf Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Ines Imdahl ist Psychologin sowie Inhaberin und Geschäftsführerin des Rheingold-Salons. Quelle: Ulrike Reinker
Ines Imdahl
/ Psychologin, Inhaberin Rheingold Salons

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