Der Werber-Rat
Deutsche Kreative sind keine Nerds

Wer hätte das noch vor ein paar Jahren gedacht? Neue Ideen aus Deutschland beeindrucken den Rest der Welt. Auch andere Nationen entdecken jetzt den Wert hiesiger deutscher Kreativität.
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Deutsche Werbung ist langweilig. Das ist so, weil die deutschen Werber und ihre Auftraggeber selbst langweilig sind. Zu richtig. Zu ernst. Zu wenig Mut zum Experiment. Zu deutsch eben. Soviel zum Vorurteil.

Jahrelang haben wir Werbung aus England und Amerika zum Höchsten erklärt. Dieser Humor! Diese Lust am Verrückten! Dann haben wir die Südamerikaner bewundert. Diese Kreativität! Dieses Storytelling! Während die anderen die Trophäen der internationalen Werbefestivals nach Hause trugen, blieben die deutschen Regale in den Agenturen leer.

Das hat sich geändert. Deutschland gehört inzwischen zu den Nationen, die mit ihren Arbeiten die Welt der Kommunikation beeindrucken. Und zwar da, wo sich die besten Kreativen und vor allem auch deren Auftraggeber treffen, bei der Weltmeisterschaft der Kreativität in Cannes. Deutsche Akteure sind nicht länger die uninteressanten „Nerds“ der Szene.

Diesen Imagewandel habe ich kürzlich erlebt, als ein aufgeregter junger Iraner vor mir stand und mühelos die Namen der deutschen Kreativen runterrasselte, deren Arbeiten ihn begeistern. Stattgefunden hat diese Begegnung auf der Preisverleihung des Dubai Lynx Festivals, dem wichtigsten Kreativpreis des arabischen Raumes und Nordafrikas.

Auch diese Region galt früher als wenig ideenreich. Warum sollte man sich die Mühe machen, seine Kunden zu umwerben? Mit tollen Geschichten, wunderbar gemachtem Handwerk? Mit genug Media-Geld geht das bitteschön auch anders. Doch auch hier hat ein Umdenken eingesetzt. In Dubai gab es spannende Kampagnen zu sehen, die den Vergleich mit dem Rest der Welt nicht scheuen müssen. Und zwar für große Marken wie Coca-Cola oder Nestlé.

Die Entdeckung des Wertes Kreativität als Türöffner zu den Herzen der Konsumenten wurde nicht zuletzt durch dieses Festival inspiriert. Die einfache Idee: Besetze die Jury nicht mit den eigenen Leuten (die sich die Preise zuschieben), sondern lade dazu erfahrene Kreative aus der ganzen Welt ein.

Jetzt versilbern und vergolden auch die arabischen Agenturen ihre Regale mit Preisen. Und: Der Konsument darf sich von Kommunikation unterhalten und umworben fühlen. Schön, dass dafür auch wir Deutsche ein bisschen verantwortlich sind.

Die Autorin:

Britta Poetzsch ist Geschäftsführerin Kreation der Agentur Serviceplan Sales. Sie ist eine von sechs Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

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