Der Werber-Rat: Deutschland braucht einen Super Bowl

Der Werber-Rat
Deutschland braucht einen Super Bowl

Am ersten Februarsonntag findet das Finale der amerikanischen Football-Liga statt. Es ist auch ein kreatives Kräftemessen der Marken. So ein Ereignis könnte auch die hiesige Kreativindustrie beflügeln.
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Einmal im Jahr holt die Werbeindustrie schwere Geschütze raus: beim Super Bowl, dem Finale der amerikanischen Football League. Es ist das größte Sportereignis der Welt, zumindest, was Einschaltquoten und aufgebotene Summen angeht. Wenn ganz Amerika vor dem Fernseher fiebert, sind die Werbezeiten so teuer wie nie. Da werden die höchsten Zuschauerzahlen des Jahres erreicht. Einen 30 Sekunden dauernden Spot gibt es ab 3,8 Millionen Dollar. Der Super Bowl ist die Weltmeisterschaft der Werbung. Denn in diesem Umfeld wetteifern Marken und Macher. Wer hat die beste Idee? Die größte Aufmerksamkeit?

Der Super Bowl wirkt wie ein „Super Booster“ für Auftragskommunikation. Wer hier mit einem Spot für Furore sorgt, kann Werbegeschichte schreiben. Die Spots gehören genauso dazu wie die spektakuläre Show in der Halbzeitpause. Sie sind Teil der Popkultur, dürfen alles sein, nur nicht langweilig.

Der berühmte Super-Bowl-Spot für Volkswagen, in dem ein Vater dank der Fernbedienung seines VW, seinem kleinen Sohn das Gefühl gibt, er hätte Superkräfte, gilt offiziell als erfolgreichster Werbespot aller Zeiten. Wer bei dem letzten Super-Bowl-Beitrag von Budweiser über die Freundschaft zwischen einem Baby-Retriever und einem Pferd nicht einen dicken Kloß im Hals hatte, der besitzt keine Herzmuskulatur und die entsprechende hormonelle Ausstattung. Einmal im Rahmen des Super Bowl ausgestrahlt, werden solche Meisterwerke in den sozialen Netzwerken millionenfach geteilt.

Warum haben wir hier in Deutschland nicht auch so ein Großereignis, auf das alle hinfiebern? Das die kreativen Kräfte freisetzt und den Ehrgeiz der Auftraggeber anstachelt, die meistdiskutierte Marke zu sein.

Wie wäre es mit dem DFB Pokalfinale? Doch stattdessen sehen wir da die üblichen Bierwerbespots. Helikopterflüge über Seen. Angestrahlte Opern in Goldlamé. Austauschbare Schnittgewitter mit Lifestyleszenen. Dazu Autowerbung, die aus der immer gleichen Zutatenliste zusammengerührt ist. Auto fährt vor Traumkulisse und der Lack sieht schön lackig aus.

Zugegeben auf der Werbung herumzuhacken ist billig. Aber spätestens wenn man am ersten Februarsonntag sieht, was alles geht, kommt ein kleines, gemeines Neidgefühl auf. Das schiebe ich jetzt mal beiseite und freue mich einfach auf die besten Spots des Jahres.

Britta Poetzsch ist Global Creative Director bei der Agentur Ogilvy.

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