Der Werber-Rat
Deutschland braucht mehr Glamour-Unternehmer

Richard Branson, Marc Zuckerberg, Dietrich Mateschitz – im Ausland gibt es Unternehmer mit Pop-Star-Status. Hierzulande kaum. Das ist verrückt, ist doch Deutschland das Land der Unternehmer.
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Prognosen sagen, dass in Deutschland bis 2050 rund zwanzig Prozent weniger Unternehmen gegründet werden. Gründe dafür gibt es viele. Einer davon dürfte sein, dass es zu wenige junge leuchtende Beispiele gibt. Als junger Unternehmer braucht man eine Stimmung, die sagt: "Trau dich was, es lohnt sich."

Man braucht eine gute Idee, Bereitschaft zum Risiko und man braucht charismatische Vorbilder. Von denen gibt es einige: Sir Richard Branson, Steve Jobs, Sergej Brin, Larry Page, Marc Zuckerberg, Jef Bezos, Dietrich Mateschitz oder Niklas Zennström.

Sucht man aber nach deutschen Pendants, wird's schwierig. Natürlich sind da Persönlichkeiten wie Alfred Theodor Ritter, Erich Sixt, Werner Bahlsen, Claus Hipp, August Oetker, Werner Otto, Dietmar Hopp, Hasso Plattner und die geheimnisvollen Aldi-Brüder, um nur einige zu nennen. Es gibt sogar ein paar, die einen gewissen Pop-Star-Faktor haben, wie zum Beispiel Uli Hoeneß oder Götz Werner.

Doch sucht man nach dem Typen des Selfmade-Unternehmers, der sein Unternehmen in den vergangenen 20 Jahren aufgebaut hat und damit als Vorbild für die junge Generation gelten kann, landet man eher bei Beispielen aus dem Ausland. Das ist verrückt, denn Deutschland ist das Land des Mittelstands und der Unternehmer. Wieso sind darunter so wenige kultige Stars?

Selbst unsere Internet-Start-up-Helden wie Lars Hinrichs (Xing) oder die Samwer-Brüder (Zalando) entwickeln keine großartige Strahlkraft. Wenn es in Talkshows um Unternehmer geht, kommt Trigema-Chef Wolfgang Grupp.

Wahrscheinlich liegt es daran, dass wir Deutschen - und damit auch unsere Unternehmer - zurückhaltender und weniger auf Außendarstellung erpicht sind. Personenkult ist uns suspekt. Stiller Fleiß zählt mehr als medienwirksamer Glamour. Hinzu kommt, dass Reichtum in Deutschland der Ruch des Unanständigen anhaftet. Erfolgreiche Unternehmer ziehen oft nicht den "Toll, was der geschafft hat"-Applaus auf sich, sondern eher die "Ob das mal gerecht ist, dass der so viel verdient"-Debatte.

Es ist paradox: Der deutsche Mittelstand ist der Motor unseres Landes, doch in der Presse wird nur über Manager und deren Gehälter berichtet. Umso dringender braucht es Vertreter, die willens und in der Lage sind, junge Menschen zu inspirieren, ihnen Mut zu machen, ein Risiko einzugehen, um etwas Eigenes aufzubauen. Letztlich geht es darum, einen der spannendsten Berufe der Welt wieder attraktiver zu machen. In Deutschland verkauft er sich zurzeit definitiv unter Wert.

Der Autor:

Stefan Kolle ist Geschäftsführer Kreation der Agentur Kolle Rebbe in Hamburg. Er ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Kommentare zu " Der Werber-Rat: Deutschland braucht mehr Glamour-Unternehmer"

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  • Unternehmer,das waren für mich Leute wie
    Borsig,Grundig,Villeroy und Boch etc.
    Langlebige Familienunternehmen,über mindestens 100 Jahre ökonomisch erfolgreich gewirtschaftet und gleichzeitig als Unternehmerfamilie für Nachfolge und Kontinuität zu sorgen,
    sind kaum noch zu finden.
    Henkel,Burda,Hipp sind da noch.
    Die meist vierte Generation,verpraßt doch nur noch
    und sind Selbstdarsteller ohne Fundament.

  • Oh je,
    immer dieses geplärre, man sei neidisch, wenn man Unternehmer nicht kritiklos bewundert wie ein 13jähriges Mädchen Justin Bieber. Ich verdiene selbst überdurchschnittlich gut, aber wollt ihr im Ernst in einem Land leben, in dem sich alle Unternehmer so aufführen wie Dieter Bohlen? Solche Narzisten braucht keiner.
    Stattdessen gilt: Wer gemocht werden will, kann das am besten erreichen, wenn er deutlich macht, das er die mag, von denen er gemocht werden will. Die Unternehmer und ihre Apologeten in diesem Forum, die über zu wenig Anerkennung klagen, machen genau das Gegenteil: Sie beschimpfen das deutsche Volk aus faul,neidisch, überbezahlt usw. und wundern sich dann, wenn kein positives Feedback zurückkommt. Ihr erntet das, was ihr mit eurer Verachtung dem Durchschnittsdeutschen gegenüber gesät habt!

  • @Rechner: Oh, diemal ein sehr schwacher Beitrag von Ihnen, wie kommt das denn? Allenfalls halbwahr, was Sie schreiben. Gegen Branson bringen Sie vor, dass er Ihre Ski nicht preisgünstig mitnimmt. Eiderdaus, was für ein Verbrecher, der taugt dann aber wirklich nicht zum Vorbild, der Ski-Schlingel. Zuckerberg: nun gut, alle sind Geisterfahrer, nur Sie liegen richtig, denn Facebook brauchen Sie anscheinend nicht. Und Mateschitz: Red Bull mögen Sie nicht (ich auch nicht), aber deswegen ist er ein Art überflüssiger Unternehmer? Fragen Sie mal seine Mitarbeiter, ob die das ähnlich sehen. Oder seine Kunden, über die Sie indirekt so erhaben urteilen. In einem liegen Sie richtig: dass die Marktwirtschaft solche Unternehmer erst hervorbringt (auch wenn Sie das mit despektierlichem Unterton intonieren). Ich mag die Marktwirtschaft: Vielfalt ist möglich statt Einheitsbrei. Dass diese Personen auch nur Menschen mit Fehlern sind (Sie haben auch welche, vermute ich), macht ihren unternehmerischen Vorbildcharakter nicht wesentlich geringer. Oder sehen Sie das anders? Rechner sagt:"Ohne diese Herrschaften wäre die Welt kein bißchen schlechter dran" Das ist wirklich nur Ihre Meinung.

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