Der Werber-Rat
Deutschland darf sich nicht zerfleischen

Kritik deckt Missstände auf und sorgt für Innovationen. Raphael Brinkert hält von der deutschen Kritikkultur jedoch wenig. Wichtiger als die Kritik und das Streben nach Qualität sei die Strahlkraft der Marke Deutschland.

Mein heutiger Werber-Rat richtet sich an die anonymen Kritiker, die vermeintlichen Experten und chronischen Nörgler. Nicht nur in den letzten Wochen häuften sich die Statements und Artikel, in denen sich Akteure aus Wirtschaft, Medien und der Kommunikationsbranche negativ über Arbeiten oder Entscheidungen der Wettbewerber öffentlich äußerten: mal als anonymes Urteil, mal als redaktionelle Aufbereitung – egal, ob bei Xavier Naidoo, dem kommunikativen Relaunch von Thyssen-Krupp oder dem VW-Abgasskandal.

Ist das der Weg, den wir als Wirtschaftsnation einschlagen wollen? Natürlich haben sich die Rahmenbedingungen geändert: Aus einem Wachstums- ist vielerorts ein hart umkämpfter Verdrängungsmarkt geworden. Auch die Digitalisierung macht es einfacher, andere an den Pranger zu stellen. Doch dürfen diese Entwicklungen zur Selbstzerfleischung der Marke Deutschland führen?

Fakt ist: Neid und Missgunst sind die schlechtesten Berater. Es gibt einen guten Grund, warum selbst im Sport härteste Konkurrenten wie Bayern, Dortmund oder Schalke sich niemals öffentlich negativ über das Kernprodukt Fußball äußern. Denn letztendlich schwächt man nicht nur seine eigene Position im Markt, sondern das Image der ganzen Branche. Und in der aktuellen Häufung lässt man die gesamte Nation in schlechtem Licht erscheinen.

„Als Deutschland AG sollten wir uns auf ein einfaches Motto besinnen: Wertschätzung schafft Wertschöpfung.“ Mit diesem Satz hat Ingo Faecks, Präsident des Agenturverbands GWA, es auf den Punkt gebracht. Statt uns gegenseitig in der Sandkastenrepublik mit Dreck zu bewerfen, sollten wir mehr Wertschätzung für die Arbeit der Kollegen aussprechen und der Verantwortung als Branchenvertreter gerecht werden. Denn es geht um nicht weniger als das Selbst- und Fremdbild der ganzen Nation.

Der Autor ist einer von sechs Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben. Raphael Brinkert ist Mitinhaber der Agentur Jung von Matt/Sports.

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