Der Werber-Rat
Die große Angst vor der Zukunft

Steigender Leistungsdruck, unsichere Perspektiven und ein verändertes Familienbild stellen viele Unternehmen vor Probleme. Doch Herausforderungen an das Betriebsklima können auch eine Chance sein.
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Etwa 29 Milliarden Euro, so schätzt das Statistische Bundesamt, betragen die Krankheitskosten aufgrund psychischer Erkrankungen. Steigende Anforderungen am Arbeitsplatz, die Suche nach Orientierung und die zunehmende Komplexität unseres Alltags ergeben nicht selten ein unheiliges Gemisch, das uns gefühlt immer weiter von dem entfernt, was Menschen Zuversicht schenkt und glücklich macht.

Nicht nur der demografische Wandel verschärft den Kampf um kompetente und motivierte Mitarbeiter. Nicht selten leiden gerade jene Menschen, die in den Unternehmen extrem motiviert und engagiert sind, am meisten unter dem kontinuierlich steigenden Leistungsdruck und den Folgen für die Unternehmenskultur.

Menschen lieben bekanntlich keine Veränderungen, außer sie führen sie selbst herbei. Insbesondere unsere Vorstellung von persönlicher Freiheit, dem Wunsch nach Entfaltungsmöglichkeit und Selbstbestimmtheit verschärfen den Konflikt mit unserem Selbstverständnis und den tatsächlichen Anforderungen einer zunehmend fremdbestimmten unübersichtlicher werdenden Welt.

Und so lassen Freiheits- und Entfaltungsdrang auf der einen Seite und die persönlich empfundene Unfreiheit auf der anderen Seite die Kluft immer größer werden. Wie so oft hat am Ende eben alles seinen Preis. Die zunehmende Digitalisierung bietet nicht nur ein Mehr an Lebensqualität und Freiheit. Mehr Möglichkeiten, mehr Gestaltungsfreiheit werden plötzlich zu viel, zu unpersönlich, zu komplex. Identifikation und Orientierung sind gefragt, wenn nichts mehr trägt, was gestern noch Halt bot.

Insbesondere engagierte Mitarbeiter sind stark darauf angewiesen, sich mit dem Unternehmen identifizieren zu können. Wie bemerkte der Psychologe Gustav Buck in einem Gespräch vor kurzem so schön: "Was bei der Immobilie die Lage, die Lage, die Lage ausmacht, bedeutet im Unternehmen Betriebsklima, Betriebsklima, Betriebsklima." Und Betriebsklima heißt Kommunikationsqualität mit Vorgesetzten, mit Kollegen und mit Kunden. Und so fragt man sich in Anbetracht der rasant steigenden Distanziertheit und Orientierung am Funktionalen, wo bleibt das Menschliche, wo bleiben Bedürfnisse und Respekt?

Unternehmen müssen sich mit diesen Fragen auseinandersetzen, um auch morgen noch beantworten zu können, warum Mitarbeiter bleiben, junge Potenziale kommen und Kunden Produkte und Dienstleistungen attraktiv finden sollen. Was für eine Chance für jene Unternehmen und Marken, die dies erkennen und zu nutzen wissen und der Angst vor der Zukunft keine Chance geben.

Die Autorin:

Uli Mayer-Johanssen ist Gründerin und Chefin der Markenagentur Meta-Design in Berlin. Sie ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Uli Mayer-Johanssen
Uli Mayer-Johanssen
/ Kolumnistin

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  • Fahre gleich mit der S- Bahn von einem sozialen Brennpunkt einer Metropolregien ins Zentrum, wie jeden Tag seit zwanzig Jahren. Sehe mir dabei die stummen Menschen um mich herum an und denke mir mein Teil,
    nachdem ich mich aus einem ebenso stummen IT- Büro
    in das Wochenende verabschiedet habe. Natürlich, das
    Haus im Grünen, das schöne Ambiente dort, der dicke
    Wagen, die Omegas u. m., entschädigen einen für die Stummheit am Tage, die Effizienztyranei und - wer sie denn hat - Erinnerungen an buntere Tage, an Respekt vor Menschen, Ältere, Vorgesetzte, Chefs, dabei aber auch an
    persönliche Anerkennung, Zufriedenheit dies-und jenseits von Suez, ggf. auch an das das buntere, vielfältigere aber eben auch einfachere Leben was man noch vor IT-, www- Zeit, flat rates, ich bin doch nicht blöd, nach Präsident Kennedys Ermordung vor 50 Jahren (warum ?), nach der Landung auf dem Mond, nach 1 / 1,95583, bailout, shutdown, alternativlosem und was man noch alles ihn Erinnerung hat. Wie sagte einmal ein geschätzter westfälisch- hanseatischer Chef eines auch heute noch gut am Markt befindlichen Handelsunternehmens
    über seine jungen Mitarbeiter in einem interessanten Buch "Von Menschen und großen Pötten": "Aber warum müssen die jungen Leute alle, wenn ich mir die Bemerkung erlauben darf, so kalt sein ? Dieses Mitfühlen für andere haben wir nicht weitergeben können, das ist so mein Eindruck"... Schönes Wochenende allen.

  • Fü mich ist das kein Alters- oder Nationalitätenproblem, sondern eher eins der Organisationsgröße. Und die haben scheinbar auch ihre Vorteile, z.B. mehr Lohn. Wenn man Leute fragt, Daimler oder Krauter um die Ecke, was würden die meisten wählen? Egal ob Arbeitsteilung und standardisierte Prozesse und Zielvorgaben das Arbeitsleben öde machen. Der Wohlstand hat weder die Menschen noch das Leben besser gemacht. Dabei ist es heute und hier so einfach wie nie: Raus aus Babylon! Freiheit heisst leider auch immer Unsicherheit.

  • Sie sprechen mir aus dem Herzen und ich habe das ganze selbst erlebt. Da kommen diese Jungspunte von der UNI ohne Ahnung und meinen gut funktionierende Systeme umkrempeln zu müssen. Personalabbau und Angstkultur tuen den Rest. Auch bei mir in der Firma heißt es immer, wir möchten gut motivierte Mitarbeiter, aber man handelt grundsätzlich gegensätzlich. Gerade ältere Mitarbeiter haben hier ihre Schwierigkeiten, was diese Typen ebenfalls nicht begreifen und die jüngeren, weiblichen, Mitarbeiter retten sich evtl. über Schwangerschaften.
    Wie heißt es so schön: "Wer Mitarbeiter führen will muss Menschen mögen". Diese Typen sind aber nur egoistisch und karrieregeil und gehen dafür über Leichen.

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