Der Werber-Rat
Die Karawane der Frauen

Die aktuellen Zahlen zeigen: Der Anteil der Frauen in Führungspositionen in der Kommunikationsbranche hat sich seit 2009 deutlich verringert. Wann wird das eigentlich endlich mal besser?
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Jeden Morgen, wenn ich mein Rad vor der Agentur abschließe, zieht sie vorbei. Die Karawane der Frauen. Alle auf dem Weg zu ihrem Arbeitsplatz in der Agentur. Kundenberaterinnen, Art-Direktorinnen, Mediaplanerinnen, Buchhalterinnen, Produktionerinnen und viele andere mehr. Ich bin eine von ihnen. Was mich von den meisten unterscheidet: Ich gehöre zu diesen seltenen weiblichen Exemplaren, die in der Werbebranche eine Führungsposition innehaben.

Gerade diese Woche hat der Gesamtverband Kommunikationsagenturen (GWA) die aktuellen Zahlen über den Anteil der weiblichen Führungskräfte veröffentlicht. Das Ergebnis: Die Zahlen haben sich noch mal deutlich verschlechtert. Obwohl 62 Prozent aller Agenturmitarbeiter weiblich sind, besetzen davon nur zwölf Prozent eine Führungsposition. Der Anteil ging seit 2009 von 16 Prozent auf zwölf Prozent zurück.

Was die Frauen, die Führungspositionen innehaben, verbindet? Sie haben keine Kinder. Ich kenne persönlich nur eine Frau in der Werbung, die trotz eines Geschäftsführerpostens eine Familie hat. Oder trotz einer Familie einen Geschäftsführerposten. Kann mit diesem Zustand jetzt nicht endlich mal Schluss sein?

So langsam sollte auch der Letzte begriffen haben, dass gemischte Teams besser funktionieren. Und so langsam sollte man auch begriffen haben, dass Frauen nur dann eine Karriere haben können, wenn die Strukturen stimmen. Die werden aber nicht allein vom Staat gemacht. Der Anwesenheitskult in vielen Agenturen ist ungefähr so modern wie das Fischbeinkorsett.

Gerade die Agenturbranche hat ein Nachwuchsproblem. Das heißt für Agenturen, dass es nicht darum geht, lustige Kickertische in chic eingerichteten Fabriketagen aufzustellen oder lässige Longboards als Transportmittel einzuführen. Das bedeutet, flexible Arbeitszeiten und wirklich gute Kinderbetreuung anzubieten.

Der täglichen Frauenkarawane möchte ich zurufen: Bleibt nicht hängen in der Fleißigen-Bienchen-Falle. Nutzt eure Chancen und macht was draus. Stellt Forderungen, kämpft dafür, dass ihr endlich so viel verdient wie die Jungs, und lasst euch bloß nicht einreden, dass man deshalb keine Familie haben kann. Denn eines ist klar: Ihr werdet gebraucht.

Die Autorin:

Britta Poetzsch ist Head of Lifestyle der Agenturgruppe Serviceplan. Sie ist eine von sechs Kolumnisten, die an dieser Stelle im Wechsel über Kommunikation schreiben.

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