Der Werber-Rat
Die Lizenz zum Product-Placement

Der neue James Bond ist eine große Produktwerbemaschine. Was Daniel Craig in „Spectre“ fährt oder anzieht – Firmen zahlen Millionen, damit ihr Produkt in Szene gesetzt wird. Youtuber könnten sich hier einiges abgucken.

Zu Hause habe ich momentan echt Stress. Denn bei uns gilt das ungeschriebene Gesetz, dass der neue James Bond direkt nach der Premiere angeschaut werden muss. Diese Regel hat mein Mann aufgestellt. Ihm macht der Kinobesuch nur halb so viel Spaß, wenn bereits alle über den Film reden. Mein Kalender ist rappelvoll. Doch dem Haussegen zuliebe habe ich mir einen Abend frei gehalten, um mit ihm „Spectre“ zu sehen.

Nun bin ich aber nicht nur gespannt auf die Handlung, sondern auch auf das Product-Placement. Denn das gehört bei 007-Filmen zum guten Ton. Etwa die Verfolgungsjagden im Aston Martin. Oder die mit Gadgets ausgestattete Uhr von Omega – das Logo ist selbstverständlich im Close-up zu sehen. Kein Wunder, dass ich jedes Mal an 007 denken muss, wenn ich einen Zeitmesser der Firma sehe.

Bei „Spectre“ sollen rund zwei Drittel der Produktionskosten in Höhe von 270 Millionen Euro durch die Inszenierung von Marken abgedeckt worden sein – so viel wie nie zuvor. In der Vergangenheit wurde diese Praxis häufig kritisiert. Doch die Begeisterung des Publikums ist ungebrochen. Woran liegt es, dass Product-Placement in James-Bond-Filmen salonfähig ist? Etwa am Heldenstatus der Figur, die als unzerstörbar gilt?

Wohl eher nicht. Andere Helden werden für die Platzierung von Produkten abgestraft. Die Rede ist von Youtube-Stars, die für Teenager einen ähnlichen Kultfaktor besitzen wie James Bond. Dabei ist Product-Placement für sie eine ebenso wichtige Einnahmequelle wie für die Produzenten der 007-Filme.

Ich glaube, Youtuber könnten sich einiges bei den Bond-Machern abgucken. So sollten sie auf maßgeschneiderte und langfristige Kooperationen mit Marken setzen, die Produkte in die Handlung ihrer Filme glaubhaft integrieren und so einen Mehrwert schaffen. Denn auch für Youtube gilt: Schlechte Unterhaltung ist nicht heldenhaft.

Die Autorin: Franziska von Lewinski ist Vorstand der Agentur Fischer-Appelt. Sie ist eine von sechs Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Franziska von Lewinski
/ Kolumnistin
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