Der Werber-Rat
Die Lust am Untergang

Auch wenn sich wohl der Maya-Kalender am 21. Dezember geirrt hat, fiebern wir immer wieder leidenschaftlich einer Apokalypse entgegen. Warum ist das so? Ganz einfach: weil die Endzeit die bequemste aller Welten ist.
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Das ging gerade noch mal gut. Für den 21. Dezember war im Kalender angestrichen: "Weltuntergang". Labile Naturen und verstrahlte Esoteriker schrieben ihr Testament, wanderten aus. Experten vermuten, finale Ängste seien ein Zeichen für tiefe Verunsicherung. Man misstraut allem und jedem, vor allem sich selbst. Warum nicht dann gleich dem ganzen Kosmos oder wenigstens dem Heimatplaneten!

Ist die Angst der Apokalyptiker wirklich ein riesiger Minus-Komplex? Fühlt man sich so nichtig, dass die allgemeine Vernichtung die logische Folge wäre?

Ich glaube nicht. Ich halte Weltuntergangsgelüste für eine gewaltige Selbstüberschätzung. Zu glauben, das Universum lasse sich ein prächtiges Feuerwerk einfallen, um uns einen starken Abgang zu verschaffen, ist maßlos. Uns erscheint ein kollektives Ende der Menschheit erträglicher als der persönliche Tod. Der ist eine höchst unangenehme Tatsache. Da lässt es sich mit einer grandiosen Fiktion (Wenn schon, dann aber bitte alle!) besser leben.

Erhebend ist auch die Vorstellung, mit einem Schlage dem mühseligen Alltag zu entkommen. Das Zimmer nicht mehr aufräumen, das Formular nicht mehr ausfüllen, die Schulden nicht mehr bezahlen - man muss nichts dafür tun. Es wird einem geschenkt, "all inclusive". Die Welt wird plötzlich einfach und übersichtlich wie in Kindertagen. Klarer als das Nichts kann sie nicht werden.

Uns Deutschen wird eine ausgeprägte Arroganz unterstellt. Könnte das der Grund dafür sein, dass "German Angst" eine Konstante unseres kollektiven Charakters ist? Der US-Historiker Gordon A. Craig kannte uns besser als wir uns selbst: "In keinem anderen Volk der Welt ist der Glaube an Murphys Gesetz so verbreitet, dass alles, was schiefgehen kann, früher oder später auch schiefgehen wird. Von der versöhnlichen amerikanischen Antwort, dass man immer jemanden findet, der es wieder in Ordnung bringt, haben sie noch nie gehört."

Übrigens, der Kosmos hat noch gar nicht gemerkt, dass es uns gibt. Es ist ihm egal. Verstörte verbreiten schon neue Daten des Untergangs. Strafen wir sie mit demonstrativer Zukunftsfreude.

Der Autor:

Bodo Hombach ist Hochschullehrer und ehemaliger WAZ-Chef. Er ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Kommentare zu " Der Werber-Rat: Die Lust am Untergang"

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  • Oh Gott, oh Gott, gehoert solch inhaltsloser Schwachsinn wirklich ins Handelsblatt? Waere nicht die oertliche Baeckerzeitung besser dafuer? Muss so etwas ueberhaupt geschrieben werden? Oder gibt es fuer diese Kommentare ein "Steinbrueck Honorar"?

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