Der Werber-Rat
Die Macht der erlebten Vision

Neue Technologie wie das selbstfahrende Auto überfordert unsere Vorstellungskraft. Aber die muss geweckt werden, wenn die Kunden die neuen Produkte akzeptieren sollen. Es geht nur über Gefühle.
  • 0

HamburgWas der Mensch denkt, wird schließlich Wirklichkeit", schrieb der britische Designer Ross Lovegrove gerade in einem Beitrag über das Wohnen und Leben in der Zukunft. „Was der Mensch lenkt, ist riskant und fehleranfällig“, mögen sich die Ingenieure bei Audi gedacht haben, als sie das Hockenheim-Event vom vergangenen Wochenende ausheckten, bei dem der Audi RS7 piloted driving concept eine Rennrunde ohne Fahrer absolvierte.

Beiden Seiten gemein ist wohl die feste Überzeugung, dass es die menschliche Fantasie ist, die Fortschritt ermöglicht. Lovegrove bezeichnet diese auch als „optimistische und inspirierende Kraft, die Logik und Schönheit verschmelzen lässt“. Vorstellungskraft wäre das Stichwort für alle Kommunikatoren unter Ihnen - also für alle. Oft sprechen Politiker oder Wirtschaftslenker ausschließlich unsere Ratio an. Sie meinen es sicher gut, wollen mit Substanz informieren. Die Fakten und das Durchdachte sind wichtig. Aber sie gehören in die Verwaltungsvorschriften oder Memos zur Umsetzung.

Am Anfang großer Vorhaben, die geglückt sind, stehen fast immer große Bilder von Meilenstein-Ausmaßen. Erst diese erzeugen in der Breite die Vorstellung, dass eine andere Wirklichkeit als die bestehende überhaupt möglich ist. Von ganz kleinen Realitätsveränderungen wie der Auslieferung via Drohne, die Amazon und DHL kürzlich demonstrierten, über größere, wie 1996 der erste Sieg eines Computers über einen amtierenden Schachweltmeister durch Deep Blue von IBM. Bis hin zur größtmöglichen Symbolkraft - der bemannten Mondlandung, die Motivation gleich für Jahrzehnte brachte. Eine Rennrunde ohne menschlichen Fahrer ist keine Mondlandung.

Aber seit Sonntag dürften viele Skeptiker verstummt sein, die Fahr-Assistenzsystemen dieser Art größeres Potenzial absprachen, weil sie nur Bilder von klobigen Testfahrzeugen, die sich betulich ihren Weg suchen, im Kopf hatten. Mögen die Konstrukteure im Alltagsverkehr noch härtere Brocken vor sich haben als die, die sie auf der Rennpiste wegräumen mussten - das gewonnene Momentum wird dabei hilfreich sein. Was der Mensch sieht, das glaubt er auch. Umso mehr, je stärker die Symbolkraft des Bildes. Busspurnutzung für eFahrzeuge ist z.B. kein großes Bild.

Der Autor:

Torben Bo Hansen ist Mitinhaber der Agentur Philipp und Keuntje. Er ist einer von sechs Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Kommentare zu " Der Werber-Rat: Die Macht der erlebten Vision"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%