Der Werber-Rat
Die Macht der Frauen

Erfolgreiche Frauen sind dünn, es scheint schon fast ein Paradigma zu sein. Doch das geht auch anders, Erfolg muss nicht unbedingt schlank sein. Ein Appell für mehr Diversität, auch bei der Figur.
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Die mächtigen Frauen der Welt machen sich dünn. Nicht nur, dass es immer noch viel zu wenige gibt, sie sind in den allermeisten Fällen auch sehr schlank. Christine Lagarde, geschäftsführende Direktorin des Internationalen Währungsfonds, Marissa Mayer, Chefin von Yahoo, Anne Sweeney, Disney-Chefin oder Sheryl Sandberg aus dem Facebook-Vorstand zählen dazu. Laut der Zeitschrift „Cosmopolitan“ gibt es sogar einen Zusammenhang zwischen Gehalt und Figur: Schlankere Frauen verdienen oft mehr.

Schon zu früheren Zeiten wurde in psychologischen Studien nachgewiesen, dass gut aussehende Menschen leichter Karriere machen. Neben der angeblich sympathischeren Ausstrahlung wurden sie in Tests von vornherein als intelligenter eingestuft. Allein die Tatsache, dass ihnen mehr zugetraut wurde, führte dann infolge nicht selten tatsächlich zu besseren Leistungen.

Wie aber ist es nun mit der Figur? Die Soziologin Waltraut Posch hat bereits vor fast 15 Jahren in dem Buch „Körper machen Leute“ festgestellt: Je mehr Einfluss Frauen in einer Gesellschaft haben, desto schlanker wird das Schönheitsideal. Sie betrachtet das „Dünn-Machen“ der Frauen als Schutzfunktion: Macht bedeutet angreifbar zu sein, und weniger „Angriffsfläche“ bedeutet geringeres Risiko.

In den vergangenen zehn Jahren hat sich das Schönheitsideal in Deutschland drastisch in Richtung der unteren Gewichtsklassen bewegt. Claudia Schiffer wiegt rund sechs Kilo weniger als zu Beginn ihrer Karriere.

Doch ein Indiz, dass die Frauen in den Chefetagen auf dem Vormarsch sind, ist das wohl kaum. Denn schlanke Schönheitsideale verkörpern vor allem: Disziplin und Kontrolle. Zunächst einmal gegenüber sich selbst. Wer sich selbst im Griff hat, dem wird zugetraut, auch andere „führen“ zu können. Das gilt vor allem für Frauen. Wenn sie ihre Gelüste rund um das menschlichste aller Grundbedürfnisse kontrollieren können, dann vermutlich auch ihre oftmals immer noch als unangenehm empfundene „Emotionalität“. Sie gelten als weniger empfindlich und härter. Wir brauchen daher dringend mehr Frauen in den Führungsebenen, die durch Diversität zeigen, dass Führungsqualitäten unabhängig von Konfektionsgrößen sind.

Die Autorin ist eine von fünf Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Ines Imdahl ist Psychologin sowie Inhaberin und Geschäftsführerin des Rheingold-Salons. Quelle: Ulrike Reinker
Ines Imdahl
/ Psychologin, Inhaberin Rheingold Salons

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