Der Werber-Rat
Die Millionen-Chance

Fußballcamps für Kinder sind fester Bestandteil des Marketings der Profiklubs wie der HSV und Real Madrid. Das Konzept ist ausbaufähig: Millionen von Amateur- und Hobbykickern warten auf ähnliche Angebote der Vereine.
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Sportmarketing hat sich in den letzten Jahren radikal verändert und zunehmend professionalisiert. Vereine, Verbände und Unternehmen verlassen sich schon länger nicht mehr nur auf das Stadionerlebnis, sondern setzen auch abseits vom eigentlichen Kernprodukt auf verschiedene Marketingmaßnahmen, um unterschiedliche Zielgruppen – von den VIP-Sponsoren bis hin zu Kindern – zu aktivieren. Ein immer beliebteres Instrument: die drei- bis fünftägigen Fußballcamps der Profivereine der Fußball-Bundesligisten.

Was als Geschenk, gesponsert von Eltern und Großeltern, ein einmaliges Ereignis für die in der Regel sechs- bis 14-jährigen Kinder darstellt, verfolgt dabei einen klaren Marketingzweck. Es geht um die Eroberung der nächsten Generation vor der regionalen, nationalen oder internationalen Klubkonkurrenz. Branchenführer ist der HSV, der 7000 bis 8000 junge Fans und Fußballer jedes Jahr über ganz Norddeutschland verteilt trainiert. Ein Erfolg, der selbst dem erfolgreichsten Verein der Welt aufgefallen ist. Seit diesem Sommer gibt es die Real Madrid Fußballschule auch in Deutschland – mit über 4000 Teilnehmern in rund 60 Camps im ersten Jahr.

Als Teilnehmer erinnere ich mich sehr gut, welche Anziehung diese Camps entfalten können: Einen Tag nach dem WM Erfolg 1990 durfte ich als damals 13-Jähriger mit leuchtenden Augen Trainingsausrüstung entgegennehmen und mit Karl-Heinz Rummenigge und Paul Breitner beim Adidas-Camp in der Sportschule Kaiserau trainieren. Die Anmeldung habe ich heute noch mit Fotos in einem Schuhkarton mit alten Erinnerungen.

Heute, 24 Jahre später, stellt sich für mich unter Marketing- und Vertriebssicht, eine andere Frage: Warum nutzt man nicht ein funktionierendes Konzept, um weitere Zielgruppen zu erschließen? Vergessen wird eine Zielgruppe, die ebenso viel Begeisterung für Fußball mit sich bringt, jedoch wesentlich kaufkräftiger ist. Gemeint sind viele Millionen Vereins- und Hobbyfußballer, die ihre Leidenschaft für den Fußball auch nach ihrer Volljährigkeit nicht verloren haben.

Während bei den Jugendlichen das Training und die sportliche Weiterentwicklung im Vordergrund stehen, bewegen die Seniorenspieler andere Werte. Der Spaß, das Miteinander mit Freunden und auch Inhalte neben dem Platz. Ich denke an Wochenend-Fußballcamps mit Stadion- und Stadtbesichtigungen, abendliche Aufenthalte im Klubheim, Training mit Vereinslegenden sowie dem Besuch eines Heimspiels der Profimannschaft. Und an ein bis zwei Millionen Euro Zusatzeinnahmen für die Profivereine aus Städten wie Hamburg, Düsseldorf, München oder Köln.

Der Autor:

Raphael Brinkert ist ist der Mitinhaber der Agentur Jung von Matt/Sports. Er ist einer von sechs Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

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