Der Werber-Rat
Die Show muss stimmen

In London hat sich gezeigt, dass es bei Olympia längst nicht mehr nur um Medaillen und Weltrekorde geht. Ein Athlet muss sich auch in Showmanship üben – der Kunst, sich besser zu verkaufen als die Konkurrenz.
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Die Spiele sind ... vorbei. Die gefeierte Rückkehr in die Heimatorte, die hoch dotierten Leichtathletikfeste, die ertragreichen Werbeverträge – das Geldverdienen geht jetzt erst richtig los für die meisten Athleten. Selbst in Randsportarten kann das Pfund, als weltweit bekannter Olympiasieger aufzutreten, doch endlich mal ordentlich Geld in den klammen Sparstrumpf bringen. Oder?

Nein. Leider nicht. Nicht mal, wenn man in London einen Weltrekord abgeliefert hat, reißt man sich um blasse Mauerblümchen, die nervös und ideenlos der medialen Macht gegenüber in der Mixed Zone verharren. Die wahren Olympiagewinner sind nämlich nicht per se alle Medaillenträger, sondern nur die, die begriffen haben, dass man auch abseits der eigentlichen Disziplin performen muss.

Spitzensport heißt 2012 auch Spitzen-Showmanship – sich besser zu verkaufen als andere ist für Athleten wichtiger denn je. Wie beeindruckend allein zahlreiche Läufer beim Aufwärmen ihre Show gemacht haben: Da wurde in den wenigen Sekunden, in denen der Sportler die Fernsehwelt für sich hatte, sexy getänzelt, großartig pantomimisch posiert und charmant bis Balotelli-prollig mit der Kamera gespielt.

Das kann man gezielt planen, wie im Fall vieler amerikanischer und jamaikanischer Leichtathleten. Oder spontan und mutig umsetzen, wie im Fall des deutschen Olympiasiegers Robert Harting, der einfach bereitstehende Hürden übersprang und eins der Bilder von London 2012 lieferte. Solche Gesten bleiben hängen. Wenn dann noch die Leistung stimmt, umso besser. So werden sogar komplette Schattensportarten wie Diskuswerfen vom Licht der öffentlichen Aufmerksamkeit erhellt.

Die Showtalente können sich viel erlauben und an sie erinnert man sich weltweit. Sogar mit Kampfrichterinnen flirten – wie Usain Bolt, der Witz-Bolt. Das sind die von uns Werbern stets hochwillkommenen, schillernden Sonnen am verhangenen Firmament, die sich für alle auszahlen. In China ist ein Bolt dank seines Showtalents als Testimonial wahrscheinlich begehrter als die unzähligen landeseigenen, aber blass dressierten Gewinner. So feiern Ruhm und Rubel eine Allianz – nur die unsichtbaren Sportler und Beamten-Athleten, denen es an Selbstdarstellungstalent mangelt, haben davon wenig.

Das alte Funktionärsdiktum „Okay, ein bisschen Show gehört heutzutage dazu!“ scheint von der Zeit überholt. Showbusiness ist neue olympische Disziplin. Spätestens bei der Abschlussfeier hat das jeder deutlich gesehen.


Der Autor:

Stefan Kolle ist Geschäftsführer Kreation der Agentur Kolle Rebbe in Hamburg. Er ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Kommentare zu " Der Werber-Rat: Die Show muss stimmen"

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  • Man(n) könnte ihn auch S.....r nennen. Aber die Menschen wollen es, wie B.h.en & Co. Jeder kriegt dass was er verdient, so heißt es doch. Auch Deutschelannde mit den entsprechenden Komikern im TV: Weiter so Deutscheelannde!

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